Eine Sopranistin in Venedig 

Die Entdeckungen des Venice Music Project 

→Liesl Odenweller ist eine amerikanische Sängerin, die den Verein „Venice Music Project“ leitet, um das vergessene venezianische Musikerbe wiederzubeleben. 

Die Entdeckungen des Venice Music Project 
Liesl Odenweller, A Venetian Affair © Venice Music Project

„Fremde in Venedig“ so lautet der Titel eines Konzerts der Initiative Venice Music Project. Ein Titel, der nicht nur das Konzert beschreibt, sondern auch die Haltung des gesamten Projekts widerspiegelt. Seit 2013 betreiben die amerikanische Sopranistin Liesl Odenweller und ihre Mitstreiter musikalische Archäologie in der Lagunenstadt. In der Scuola Grande dei Carmini lassen sie Werke aus der Barockzeit wieder erklingen – Kompositionen, die oft seit Jahrhunderten nicht mehr gehört wurden. 

Sopran, Tiepolo und Prosecco 

Es war Herbst. Die Touristenströme waren dünner geworden, die Biennale zeitgenössischer Kunst stand ein paar Wochen vor ihrem Ende. Doch an vielen Kirchenportalen Venedigs hingen nach wie vor Plakate, die „Vivaldi & Die Vier Jahreszeiten“ versprachen – Konzerte für ein durchreisendes Publikum. 

Ganz anders dagegen die Ankündigung nahe dem Campo Santa Margherita und in den sozialen Netzwerken: „Fremde in Venedig“ – präsentiert vom Venice Music Project. Mit einem einladenden Teaser: „Venedig war stets eine offene Stadt für Besucher wie für Neuankömmlinge. Ein Beispiel dafür war der deutsche Komponist Johann Rosenmüller, der 1655 nach einem Skandal in Leipzig Zuflucht in Venedig fand. Trotz seines Status als Fremder wurde er Mitglied der Kapelle an San Marco, lehrte an der Pietà und komponierte im italienischen Stil, inspiriert von den großen venezianischen Meistern. Er wurde Teil der lebendigen Musikszene der Republik Venedig.“ 

Ensemble © Venice Music Project

Das Konzertprogramm: Werke von Johann Rosenmüller und Johann Adolf Hasse, interpretiert von den Sopranistinnen Liesl Odenweller und Caterina Chiarcos sowie dem Ensemble Venice Music Project

Am folgenden Samstag, 19 Uhr, fanden sich etwa 60 Hörer in der Scuola Grande dei Carmini ein. Nach einem Blick auf das Deckenfresko von Giambattista Tiepolo im ersten Stock begann das Konzert in der Kapelle im Erdgeschoss. Eine Stunde lang präsentierten die Musiker auf historischen Instrumenten Werke von Rosenmüller, Hasse, aber auch von Schütz, Kapsberger und Händel. Nach dem Konzert: Ein Glas Prosecco für Freunde und Unterstützer des Projekts. 

Eine Woche später kündigte Venice Music Project das nächste Konzert an – wieder mit einem vielversprechenden Titel:  Swansong – Der Schwanengesang  „Drei legendäre Sänger des 18. Jahrhunderts – Spion, Lebemann und Soldat – erzählen da ihre Geschichten: Atto Melani, französischer Spion und Kastrat; Alessandro Stradella, Liebhaber einer Adligen; und Kaspar Förster, Soldat der Republik Venedig im Krieg gegen die Türken. Ihre Musik öffnet einen Blick in das Privatleben von Bühnenstars, wenn der Applaus verklungen ist.“ 

Angel

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