Mit 85 Jahren scheint Jordi Savall noch lange nicht bereit zu sein, einen Gang zurückzuschalten. Nachdem er unsere Wahrnehmung Alter Musik revolutioniert, eigene Ensembles und ein eigenes Label gegründet hat, stürzt sich der katalanische Gambist und Dirigent nun in ein neues Abenteuer: die Gründung von AEVUM, einer digitalen Plattform, die den Musikern einen Teil des Wertes zurückgeben soll, den sie durch das Streaming verloren haben. Ein neuer Kampf für die Unabhängigkeit, der zugleich Gelegenheit bietet, mit ihm auf sechzig Jahre Musik zurückzublicken.
Mit 31 Jahren ist sie Flötistin, Organistin, Improvisatorin, gelegentlich auch Forscherin und inzwischen zudem Dozentin an den Konservatorien in Straßburg und Innsbruck. Sie arbeitet mit Jordi Savall, Amandine Beyer, Andrea Marcon und Francesco Corti zusammen und verfolgt zugleich eigene Projekte mit dem Duo Alter Ego und dem Girandola Quartett.
False Consonance gründete sich 2020 im norddeutschen Bremen – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Pandemie das europäische Musikleben zum Erliegen brachte. Das Quartett hat seine ungewöhnliche Besetzung zum Markenzeichen erhoben: vier Musikerinnen und Musiker, jedoch kein Tasteninstrument zur Stützung des Continuos. Eine Einschränkung, die schnell zum reizvollen Experimentierfeld avancierte.
Marc-Antoine Charpentiers „Medea“ im Schatten von Lully? Kurz vor Beginn einer Tournee durch Frankreich und Belgien mit fünf Aufführungen dieser einzigen Oper Charpentiers in Konzertfassung blickt Stéphane Fuget, der Leiter des Ensembles Les Épopées, auf das Werk zurück: Es ist an der Zeit, Charpentier nicht mehr ausschließlich durch das Prisma seines mächtigen Vorgängers zu betrachten.
Das in Lyon gegründete französische Quartett ApotropaïK versteht sich als Vertreter einer „neuen Musik des Mittelalters“. Troubadoure, die Ars nova, mündliche Überlieferung, Improvisation und szenische Bühnenproduktionen prägen ihren Ansatz, der ebenso historisch fundiert wie erfrischend frei ist. Im kommenden Dezember ist das Ensemble mit seinem neuen Programm „Bestiaire“ im französischen Enghien-les-Bains zu erleben.
Zur Eröffnung des Bayreuth Baroque Festival 2026 inszeniert Max Emanuel Cenčić Händels „Floridante“ und übernimmt zugleich die Titelrolle. Unter seiner künstlerischen Leitung hat sich das Festival seit seiner Gründung 2020 zu einem der dynamischsten Treffpunkte für Barockoper in Europa entwickelt. Gemeinsam mit Sonja Runje und Bruno de Sá sowie unter der musikalischen Leitung von Markellos Chryssicos ist die Neuproduktion am 4., 6., 8., 10., 12. und 13. September 2026 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth zu erleben.
Vier bis sechs junge polnische Musikerinnen und Musiker bilden das 2019 in Łódź gegründete Barque Ensemble. Ihre Leidenschaft gilt Telemann ebenso wie „vergessenen Meistern“ aus Deutschland – oder, noch ungewöhnlicher, aus Irland. Ihr nächster Auftritt ist am 28. August bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in Innsbruck.
Mit gerade einmal 28 Jahren hat Sergio Bucheli bereits mehrere musikalische Leben geführt: als junger Gitarrist in Mexiko-Stadt, als Schüler der Yehudi Menuhin School – dank der Rolling Stones –, als Lautenstudent in London und heute als gefragter Continuo-Spieler bei einigen der führenden Barockensembles Europas. Von Bach bis Dowland, von Händel bis Virginia Woolf spricht er über seine Ankunft in England, seine Liebe zu Sängerinnen und Sängern – und über den Tag, an dem er sich die Fingernägel abschnitt, um nie wieder Gitarre spielen zu können.
Ein Duo für Violine und Continuo ist zunächst nichts Ungewöhnliches — es sei denn, ein und dieselbe Musikerin übernimmt beide Partien gleichzeitig. Mit der Violine unter dem Kinn und den Füßen auf den Orgelpedalen hat Emmanuelle Dauvin mit OVNI Baroque eine ganz eigene Klangwelt geschaffen. Ab dem 14. August ist sie erneut mit La Chapelle Rhénane beim Festival Bach en Tarentaise zu erleben, bevor sie am 30. August in Rennes und am 2. September beim Festival Oude Muziek Utrecht auftritt.
Zehn Stunden Musik an zwei Abenden, ein eigens für diesen Anlass errichtetes Theater und mehr als vierzig Rollen: Antonio Cestis „Il pomo d’oro“ glich einem geradezu wahnwitzigen szenischen Wagnis! 1668 am Wiener Kaiserhof uraufgeführt und seither nie wieder gespielt, erlebt dieses Meisterwerk zu Ehren der Habsburger diesen Sommer in Innsbruck seine Wiederauferstehung: Die Accademia Bizantina bringt das Werk unter der musikalischen Leitung von Ottavio Dantone anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zurück auf die Bühne. Die Oper wird am 7+8., 11.+12., 15.+16. August am Tiroler Landestheater aufgeführt.