Camille Merckx und Julie de Maupin: Ein Blitzschlag der Inspiration! 

→Die Sängerin und Regisseurin Camille Merckx präsentiert uns ihr Stück „Julie M en garde et en scène”. Das Musical erzählt das bewegte Leben von Julie de Maupin, einer Sängerin und Fechterin aus dem frühen 18. Jahrhundert.

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Camille Merckx und Julie de Maupin: Ein Blitzschlag der Inspiration! 
Camille Merckx © Danielle Voirin

In ihrem ersten Musiktheaterstück Julie M en garde et en scène setzt die Mezzosopranistin Camille Merckx Julie de Maupin in Szene, die nicht zuletzt durch Théophile Gautiers Roman Mademoiselle de Maupin bekannt wurde. Auf der Bühne trifft französische Barockmusik von Lully bis Campra auf die Fechtkunst, die auch die historische Sängerin beherrschte. Zugleich Künstlerin und freie Frau, kreierte Julie de Maupin zahlreiche Rollen Campra’s und war die erste Mezzosopranistin, eine sogenannte „bas-dessus“, an der Pariser Oper des 18. Jahrhunderts. 

Bevor wir über die Figur Julie de Maupin sprechen: ein Wort zu Ihrer neu gegründeten Compagnie Les Perles de Verre … 

Camille Merckx: Ich habe die Gruppe eigens für dieses Stück über Mademoiselle de Maupin gegründet. Ihr Name ist einem Roman von Hermann Hesse entlehnt, einem Autor, den ich sehr liebe: Das Glasperlenspiel. Es ist nicht mein Lieblingsbuch von Hesse, doch die künstlerische Ethik, die daraus spricht, bewegt mich sehr: dieses Ineinanderfließen der Künste, der Wissenschaften, der Natur, all dessen, was uns umgibt – um ein Objekt hervorzubringen, das stimmiger, durchdachter ist, sei es ein philosophisches, politisches oder ein anderes. 

Kehren wir zu Julie de Maupin zurück: Wer war sie? 

C. M.: Julie de Maupin war die erste Mezzosopranistin, das erste bas-dessus der Pariser Oper im 18. Jahrhundert. Sie wurde sehr jung verheiratet, doch das hinderte sie nicht daran, ihr Leben unbeschwert weiterzuführen. Sie war extrem freiheitsliebend, reiste allein durch das Land, focht Duelle, sobald sich ein Problem ergab. Unterwegs trug sie Hosen oder Kavalierskleidung – und nicht sogenannte Männerkleidung — wie ich in meinem Stück bewusst vermeide, das zu nennen. Zweimal wurde sie zum Tode verurteilt, da Duelle per königlichem Dekret verboten waren, zweimal aber begnadigt. Sie war bisexuell und hatte zwei große Lieben: einen kriegerischen Grafen, der sie ihr Leben lang begleitete, und am Ende ihres Lebens eine große, strahlende Gräfin, die sie leidenschaftlich liebte. Sie sang zahlreiche Rollen für Campra. Es war ungeheuer schwierig, die richtigen Episoden für das Stück auszuwählen – hätte man alles erzählt, wäre es ein Vier-Stunden-Abend geworden! Es sollte jedoch kein Biopic sein.:Wir arbeiten mit Rückblenden und Zeitsprüngen, doch am legitimsten erschien mir, ihr Leben über die Jahre an der Oper zu erzählen. Als Sängerin weiß ich beim Lesen ihrer Biografie genau, was sie dort erlebt hat. 

Camille Merckx (Sängerin) und Chloé Sévère (Cembalistin) © Julie M en garde et en scène, Andrew Waltham

Wie lernte sie das Fechten? 

C. M.: Sie wuchs in den Stallungen des Schlosses Versailles auf, ihr Vater war Sekretär des Grafen von Armagnac. Da sie keine Mutter hatte, spielte sie mit den Jungen – ihr Vater ließ sie wohl gewähren. Ihren Mann schickte sie in die Provinz, nach einer kleinen Absprache mit dem Grafen von Armagnac: Sie willigte nur unter dieser Bedingung in die Ehe ein. So konnte sie nach Paris gehen und ihr Leben mit Liebhabern fortsetzen, was ihren Ehemann anscheinend nicht weiter störte. Gegen Ende ihres Lebens holte sie ihn sogar wieder nach Paris, ohne jedoch ihren ausgelassenen Freundeskreis aufzugeben. 

Angel

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