Ausgebildet als Tänzerin und Pianistin, entdeckt Camille Delaforge die Barockmusik über das Cembalo – ein Instrument, das sie in die Klangwelt, die Codes und die Farben des 16., 17. und 18. Jahrhunderts eintauchen lässt. 2017 gründet sie das Ensemble Il Caravaggio, das Sängerinnen, Sänger und Barockinstrumentalistenen zusammenführt – mit zweifachem Ziel: vergessene Komponisten und Partituren wieder ans Licht zu holen und sie mit dem großen Repertoire in Dialog treten zu lassen, und zugleich klassische Musik für alle zugänglich zu machen. Ein Gespräch mit einer leidenschaftlichen und entschlossenen Dirigentin.
2017 haben Sie Ihr Ensemble Il Caravaggio gegründet. Wie hat sich dieses Abenteuer entwickelt?
Camille Delaforge: Ich hatte schon immer den Wunsch, ein eigenes Ensemble zu gründen. Aber ich wollte mir vorher die Zeit nehmen, echte Erfahrung zu sammeln, verschiedene musikalische Ansätze kennenzulernen. Fast zehn Jahre lang habe ich mit unterschiedlichen Formationen gearbeitet, unter anderem bei Le Poème Harmonique mit Vincent Dumestre. Für mich war es wichtig, nicht zu früh in ein so anspruchsvolles Abenteuer wie die Ensembleleitung zu springen. Also habe ich mit kleinen Projekten angefangen – punktuell, oft noch ohne klar definierte Linie. Wir haben Programme an verschiedenen Orten gespielt, manchmal recht bescheiden, und nach und nach hat sich das Ganze gefestigt, bis daraus eine wirklich professionelle Formation geworden ist.
Die Musikerinnen und Musiker sind Leute, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe – manche habe ich bei Vorspielen kennengelernt, andere während meines Studiums. Mir war immer wichtig, ein Ensemble aufzubauen, in dem eine Vielfalt an Biografien und Einstellungen Platz hat.
Ein Barockensemble heute zu gründen – was bedeutet das konkret, jenseits der künstlerischen Leitung?
C. D.: Es ist ein starkes künstlerisches Engagement, aber auch ein administratives, menschliches und logistisches Abenteuer. Man muss einen Verein gründen, Dossiers schreiben, Finanzierung suchen, Partner überzeugen. In diesem Umfeld muss man seine Entscheidungen ständig rechtfertigen, die Einzigartigkeit des eigenen Ansatzes behaupten, seine Legitimität beweisen. Ein Projekt langfristig zu halten verlangt Vision, Ausdauer – und auch viel Disziplin im Management.

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