Der in Charlevoix (Québec) geborene und in Barcelona lebende kanadische Musiker verfolgt eine erfolgreiche Karriere als Solist, Kammermusiker, Orchestermusiker und Lehrer, die ihn um die ganze Welt führt, ihn dazu bringt, in der Vergangenheit zu stöbern und seltene Instrumente zu sammeln.
Das Horn ist ein Instrument, das nur selten gespielt wird. Wie sind Sie dazu gekommen?
Pierre-Antoine Tremblay: Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Als Teenager habe ich dann im Musikunterricht in der Sekundarschule Schlagzeug gespielt, aber ich konnte mich musikalisch nicht so richtig entfalten. Eines Tages erwähnte mein Lehrer aber, dass niemand Horn spielen könne, und ich meldete mich freiwillig. Ich wusste nichts über dieses Instrument, aber ich wollte mich der Herausforderung stellen. Und siehe da: Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich setzte mein Musikstudium also mit dem Horn fort, zunächst im Privatunterricht, dann am Konservatorium von Québec und später an der McGill University in Montréal. Und ich habe nie wirklich über eine andere Karriere nachgedacht. Als ich mit dem Horn anfing, entdeckte ich eine ganz neue Klangwelt: Horn bedeutet Ensemblemusik und damit Geselligkeit, Zusammenarbeit, Kameradschaft und so weiter. Dieser Aspekt hat mich gereizt, denn das Klavierspielen ist eher eine einsame Angelegenheit. Außerdem hat mir das Horn geholfen, das Klavier neu zu entdecken, weil ich die Musik plötzlich anders wahrnahm: Die Musik bekam eine neue Dimension. Ich begann, die Orchestrierung innerlich zu hören und auf eine andere Art zu spielen. Wenn man Klavier spielt, hat man ja ein Orchester in den Fingerspitzen.

Und warum haben Sie sich für das Naturhorn entschieden? Es ist bekannt, dass dieses Instrument ziemlich schwer zu beherrschen ist. Was gefällt Ihnen daran besonders?
P-A T.: Julie-Anne Drolet, meine Lehrerin am Konservatorium von Québec, gab mir eines Tages ein altes Horn in die Hand, nur als Übung. „Es sei wichtig, diesen Vorfahren meines Instruments auszuprobieren, um das Repertoire besser zu verstehen, um zu spüren, warum es so geschrieben ist„, sagte sie mir. Und voilà, zweite Liebe auf den ersten Blick! Man kann alte Instrumente nicht von der Geschichte trennen – und ich habe Geschichte schon immer geliebt. Und plötzlich wurde mir klar, dass ich mich durch das Spielen des alten Horns nun in die Klangwelt einer ganz anderen Epoche versetzen konnte. Für mich ist das Horn mehr als ein Instrument, es ist eine Zeitmaschine.

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