Vom 6. bis 9. Juni feiert das Festival von Regensburg sein 40-jähriges Bestehen mit einem Programm, das einem Manifest gegen gewisse kommerzielle Strömungen der Alten Musik gleicht – auch wenn es seinem Publikum einiges abverlangt … Ein Einblick in die Idee, und ein Gespräch mit den beiden Gründern und künstlerischen Leitern des Festivals.
40 Jahre: Das ist für ein Alte-Musik-Festival in Deutschland ein geradezu biblisches Alter. Und die Tage Alter Musik Regensburg begehen diesen Geburtstag vom 6. bis zum 9. Juni dieses Jahres mit einer besonders opulenten Festivaledition: Von bewährten Kräften wie den Regensburger Domspatzen mit La Cetra Basel, dem italienischen Ensemble Zefiro, der österreichischen Ars Antiqua Austria mit St. Florianer Sängerknaben oder dem französischen Le Concert Spirituel bis hin zu vergleichsweise neuen Namen im Chor der Alten Musik, wie La Néréide, Into The Winds oder The Tunelanders wird zum Wiegenfeste ein Programm geboten, das an Vielfalt und Interessantheit seinesgleichen sucht.
Denn in Regensburg setzt man nicht auf Mainstream-Programme, große Namen, prachtvolle Operninszenierungen oder Cross-over-Formate, bei denen man nicht ganz sicher ist, ob man das Bemühen, an der Hochkultur gänzlich desinteressierte Bevölkerungsanteile mittels mühsam konstruierter Vergesellschaftung von Hiphop mit Barockmusik zu bekehren, eher bemitleidenswert oder verzweifelt finden soll. Das einzige in die Cross-over-Ecke tendierende Zugeständnis sind vielleicht noch Konzerte in einer Galerie oder in einem Brauhaus, bei denen Tanz- oder Kneipenmusik früherer Epochen präsentiert wird, doch auch das selbstredend mit wissenschaftlichem Anspruch. Auch Freiluftkonzerte mit Feuerwerk bleiben den Regensburg-Besuchern erspart, ebenso wie hyperintellektuell aufgeblasene Themen für eine jeweilige Jahresedition, bei denen der Besucher nach Lektüre der Programmtexte einigermaßen verdutzt zu eruieren sucht, welcher ästhetische Zusatznutzen sich wohl aus der Verbindung von Musik vergangener Zeiten mit beispielsweise einer aktuellen gesellschaftlichen Fragestellung für seinen Genuss ergeben könnte.

Stattdessen erlebten Musikinteressierte hier während der vergangenen vier Jahrzehnte wohl die meisten Deutschland-/Europapremieren neuer Gruppen überhaupt; was qualitativ übrigens durchaus auch mal in die Hose ging: Nicht alle vorgestellten Ensembles aus mehr oder weniger entfernten Winkeln der Welt behagten den von Studioaufnahmen verwöhnten Ohren des Publikums tatsächlich. Aber auch ein solches Konzert bleibt natürlich nicht ohne Erkenntnisgewinn.
Regensburg also ist Alte Musik pur, ohne vermeintlich konsumentenfreundliche Zugeständnisse.
Dazu wird diese angerichtet in diversen historischen Räumen — ein Konzept, das ambitionierte Hörer während des verlängerten Pfingstwochenendes mehrfach kreuz und quer durch die malerische Innenstadt Regensburgs jagt. Doch das Publikum dankt es: Nach wie vor sind die Konzerte hier in der Regel lange vor Festivalbeginn ausverkauft, die Gäste reisen auch von weit her an, um hier noch immer ein Stück Mainstream-abstinenten Idealismus zu erleben.
Wir haben mit Ludwig Hartmann und Stephan Schmid, den beiden Gründern und künstlerischen Leitern des Festivals darüber gesprochen, warum und wie sich diese Erfolgsgeschichte entwickelt hat.
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