Mit dem Ensemble Continuum Berlin: Alte Musik, eine neue Herangehensweise

→Seit 2015 entwickelt die Berliner Cembalistin Elina Albach mit ihrem Ensemble Continuum einen ganz eigenen Zugang zur Alten Musik: Bach, Monteverdi oder Schütz treffen hier auf zeitgenössisches Schaffen, Literatur, Video und Performance – in Formaten, die die Werke neu zusammensetzen und so ihre Architektur und Dramaturgie auf andere Weise sichtbar machen. Das Ziel: den Werken ihre Bewegungskraft zurückzugeben, jenseits der Epochen und Konventionen, die sie erstarren lassen. Am 11. November ist sie mit der Tanzkompanie laborgras und „A Masque for the Multiverse“ in Österreich zu Gast.

clock7 minutes
loveZugang nur für Abonnenten
Mit dem Ensemble Continuum Berlin: Alte Musik, eine neue Herangehensweise
Das von der Cembalistin Elina Albach in Berlin gegründete Ensemble Continuum denkt Alte Musik durch Bearbeitungen, reduzierte Besetzungen und eigens für jedes Projekt entwickelte Bühnenformate neu. © Sophia Hegewald

CONTINUUM wurde 2015 von der Berliner Cembalistin Elina Albach gegründet und arbeitet ohne feste Besetzung: Sänger und Instrumentalisten finden sich je nach Projekt um die künstlerische Leiterin zusammen. Diese Flexibilität erlaubt es dem Ensemble, die Werke als Material zu behandeln, das bis hin zu Besetzung und Form neu befragt werden kann. Eine auf dreizehn Mitwirkende reduzierte h-Moll-Messe von Bach, ein Orfeo ohne Sänger, mit Zink, Viola da gamba, E-Gitarre und Akkordeon, oder eine Kunst der Fuge in einem audiovisuellen Setting: Jedes Projekt geht von den Quellen und der historisch informierten Aufführungspraxis aus und fragt ganz konkret, was aus einer Partitur heute werden kann. Begegnung mit einer Musikerin, die Arrangement, Reduktion und den Wechsel des Instrumentariums zu echten Werkzeugen der Interpretation macht.

Ästhetik des Bruchs

Schon der erste Blick auf die Website des Ensembles Continuum zeigt: hier geht es nicht um Wohlfühlen und Genuss. Wie eine digitale Störung, oder auch wie ein bewusster Bruch flimmert es uns grau-schwarz entgegen, links liest man CONTINUU-M, rechts den Namen seiner Leiterin Elina Albach. Ein Klick auf den Ensemblenamen verrät gleich die wesentliche Aussage: „Continuum ist die Freiheit, Alte Musik ganz neu zu denken, innovativ zu präsentieren“.

Neu denken! Aber nicht nur das. Neu handeln, neu fühlen, neu definieren. Zum Beispiel die Frage: Was ist ein Ensemble? Eine feste Besetzung, ein klar umrissenes Repertoire, eine ästhetisch definierte Handschrift? Normalerweise, ja. Im Fall von Continuum greift das zu kurz, denn dieses Musik-Kollektiv entzieht sich bewusst den gewohnten Kategorien. Weniger ein Ensemble im klassischen Sinne, als vielmehr ein künstlerisches Konzept: beweglich, durchlässig, stets im Wandel, so ließe es sich beschreiben.

Ein anderes Verständnis von Alter Musik

Als Continuum 2023 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen Bachs h-Moll-Messe aufführt, sitzen insgesamt ganze 13 Mitwirkende auf der Bühne: zwei Soprane, zwei Countertenöre, Tenor, Bass und sieben Instrumentalistinnen und Instrumentalisten. Aus der groß angelegten Sakralkomposition wird eine Missa miniatura, ergänzt durch die poetischen Texte des Schweizer Autors Jürg Halter über die Verderbtheit unserer Welt und die Perspektivlosigkeit der Menschheit im 21. Jahrhundert. Ein Abenteuer, nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Ensemblemitglieder. „Nichts war im Vorhinein festgelegt“, so der Perkussionist des Ensembles, „es gab Vorschläge von Elina, die wurden auf ihre klangliche Tauglichkeit überprüft. Wir haben auch manchmal, wenn etwas schon gut funktioniert hat, trotzdem weitere Möglichkeiten ausprobiert, um zu erleben, wie sich die Instrumente zueinander verhalten. Das war vor allem das Spannende an der Arbeit, dass wir wirklich viele Kombinationsmöglichkeiten gefunden haben.“

Angel

Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?

Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.

Abonnieren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.

Ich melde mich an