Junge Talente

Les Trouveurs: Das Mittelalter a cappella besingen

→Zwei Stimmen, keine Instrumente: Das französische Duo Les Trouveurs hat diese Reduktion zum Prinzip gemacht. In Paris oder Utrecht, von Navarra bis Polen, zeigen Mathias Lunghi und Camile Macinenti, dass die Lieder der mittelalterlichen Troubadoure kaum mehr als eine Geschichte brauchen, um ihre Faszinationskraft wiederzugewinnen.

Les Trouveurs: Das Mittelalter a cappella besingen
© Les Trouveurs / Termophone

Die Lieder von Adam de la Halle und anderen Troubadouren des Mittelalters rein a cappella zu interpretieren: Das Vorhaben von Les Trouveurs, Mathias Lunghi und Camile Macinenti, ist außergewöhnlich. Das Duo wurde 2023 gegründet, nachdem sich die beiden an der Schola de la Sainte-Chapelle in Paris begegnet waren und ihren Masterstudiengang „Interpretation mittelalterlicher Musik“ an der Université Sorbonne besucht hatten. Seitdem machten sie beim IYAP in Antwerpen und beim Festival Oude Muziek in Utrecht auf sich aufmerksam, gewannen zwei Wettbewerbe in Spanien und spielten ihre erste CD Vidimus stellam ein. Nach einer Tournee durch Polen arbeiten sie nun regelmäßig im Trio mit Marc Mauillon zusammen. Für das Total Baroque Magazine erzählen sie, wie sie die Schlichtheit des mittelalterlichen Gesangs in ein echtes musikalisches Abenteuer verwandelt haben.

Wie habt ihr euch kennengelernt und wie kam es zur Gründung eures Duos?

Mathias Lunghi: Wir kommen beide aus dem Großraum Paris. Dort sind wir aufgewachsen und haben uns während unseres Studiums in Paris kennengelernt, wo wir begonnen haben, in verschiedenen Ensembles zu singen.

Wie kam es dazu, dass ihr euch auf die Musik des Mittelalters und insbesondere auf das Repertoire der Trouvères und Troubadoure konzentriert habt?

Camile Macinenti: Ich hatte das Glück, in der Oberstufe einen Lehrer zu haben, der sich unter anderem auf dieses Repertoire spezialisiert hatte, was ziemlich selten ist. So habe ich Guillaume de Machaut entdeckt. Anschließend habe ich an der Universität Musikwissenschaft studiert, wo ich mich vertieft mit der Geschichte der mittelalterlichen Musik beschäftigen konnte. Dort hörte ich zum ersten Mal vom Masterstudiengang „Interpretation mittelalterlicher Musik“ an der Sorbonne. Ich dachte mir: Warum sollte ich mich nicht darauf spezialisieren? Das reizte mich, auch wenn ich damals noch nicht wusste, ob mir dieses Repertoire so sehr gefallen würde, dass ich es zu meinem Beruf machen wollte. Ich habe den Schritt gewagt und bereue es nicht.

M.L.: Meine Begegnung mit der mittelalterlichen Musik erfolgte erst später. Zunächst war ich beruflich als Wissenschaftler tätig, auch wenn ich schon lange gesungen und am Konservatorium klassischen Gesangsunterricht genommen hatte. Die mittelalterliche Vorstellungswelt hat mich schon immer angesprochen. Meine Mutter ist Geschichtenerzählerin, und ich liebe Geschichten, die mit dieser Welt zu tun haben. Eines Tages habe ich mich einfach gefragt, wie wohl die Musik dieser Epoche klingen könnte, die mich so faszinierte. Daraufhin wandte ich mich an das Centre de musique médiévale de Paris, wo ich einen Einführungskurs belegte. Anschließend trat ich der Schola de la Sainte-Chapelle bei, in der ich bis heute singe. Dort lernte ich Camile kennen und hörte von dem Masterstudiengang an der Sorbonne, den er ein Jahr vor mir begonnen hatte. Diese Entdeckung war eine echte Offenbarung. Mir wurde klar, dass ich beruflich etwas in diesem Bereich machen wollte.

Eine echte Offenbarung?

Angel

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