Die Liste der musikalischen Quellen zum Repertoire der italienischen Ars Nova wurde in Rimini (Italien) um eine neue, unerwartete Anthologie aus dem späten 14. Jahrhundert erweitert, die auch bisher unveröffentlichte Titel enthält. Diese Liedersammlung wurde von Francesco Zimei, einem Musikwissenschaftler an der Universität Trient, anhand einer Pergamenthandschrift rekonstruiert, deren Blätter zerlegt und zerschnitten worden waren, um einfache Buchhaltungsunterlagen zu binden: ein Verzeichnis der Abgaben von den Ländereien des Benediktinerklosters San Gaudenzo, das im Mittelalter außerhalb der Stadtmauern in der Emilia-Romagna gegründet und später unter napoleonischer Herrschaft zerstört wurde.
Ein musikalisches Puzzle
Die Geschichte dieser Entdeckung ist faszinierend: Nachdem die 179 Pergamentstreifen aus der Zerlegung des Musikkodex – den der mit seiner Wiederverwertung beauftragte Kopist und Buchbinder des 16. Jahrhunderts offensichtlich als bedeutungslos erachtet hatte – wie Teile eines Puzzles gesammelt und wieder zusammengesetzt worden waren, gelang es dank des Einsatzes neuer Technologien, ihn zu rekonstruieren.
Es sei darauf hingewiesen, dass eine solche Zerlegung kein Einzelfall ist: Am Ende der Renaissance, mit dem Aufkommen des gedruckten Buches, wurden die Kartularien, in denen handschriftliche Verwaltungsdokumente gesammelt waren, „recycelt“, um daraus Träger für papierne Verwaltungsregister zu fertigen, und die verstreuten Fragmente verlorener Kodizes, die „disiecta membra“, sind in den Archiven und Bibliotheken Europas weit verbreitet.
Der Erste, der 2016 zufällig das Vorhandensein von Musikfragmenten in den Verstärkungen eines im Staatsarchiv von Rimini aufbewahrten Rechnungsbuchs bemerkte, war Giacomo Baroffio, ein Spezialist für liturgischen Gesang. Er wies den Musikwissenschaftler Francesco Zimei, einen ausgewiesenen Kenner der Ars Nova, darauf hin, dass es sich um eine Notation handelte, die aus der Blütezeit der polyphonen Musik des Spätmittelalters stammte.
Im Bewusstsein der Bedeutung dieser Entdeckung und nach eingehender Prüfung des Rechnungsbuchs wandte sich Zimei an die Leitung des Archivs mit der Bitte, eine Restaurierung durchzuführen, um das zerschnittene Manuskript wiederherzustellen. Er machte sowohl das Ministerium für Kulturgüter und kulturelle Aktivitäten als auch das Zentralinstitut für Archiv- und Buchpathologie auf die Entdeckung aufmerksam und schaffte es so, dank des Engagements und der Unterstützung dieser Institutionen, einen Restaurierungsprozess in Gang zu setzen, der die Entdeckung bisher unveröffentlichter Partituren ermöglichte.

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