Als zwei der renommiertesten Blockflötistinnen ihrer Generation verkörpern Sarah Jeffery und Lucie Horsch auf wunderbare Weise zwei komplementäre Wege, der Alten Musik in der heutigen Zeit neue Strahlkraft zu verleihen. Bereits 2017 stieß ihr Zusammentreffen auf dem von Sarah Jeffery geführten YouTube-Kanal Team Recorder auf ein überaus neugieriges und interessiertes Publikum, das gerne einen Blick hinter die Kulissen dieses Repertoires und jenes Instruments werfen wollte, dem beide ihren Durchbruch verdanken. Ihr Austausch – gleichermaßen fachlich fundiert wie erfrischend spontan – reichte von der Stückauswahl über den Umgang mit Lampenfieber bis hin zu den kleinen Ritualen vor dem Auftritt und lockte mehr als 119.000 Zuschauer an. Seitdem haben sich ihre Karrieren eindrucksvoll gefestigt: Sarah Jeffery vereint heute mehr als 250.000 Abonnenten um ihre pädagogischen Videos und Interviews, während sie ihre Laufbahn als Konzertkünstlerin und Dozentin konsequent weiterverfolgt; Lucie Horsch hingegen schärft ihr künstlerisches Profil durch eine vielbeachtete Diskografie und eine intensive internationale Bühnenpräsenz. Beide wurden soeben zu Botschafterinnen des REMA für den Internationalen Tag der Alten Musik 2026 ernannt – eine Mission, die ihr Engagement für eine sichtbare, barrierefreie und auf neue Zielgruppen ausgerichtete Alte Musik unterstreicht. Eine Begegnung mit zwei Musikerinnen, die jede auf ihre Weise dazu beitragen, die Barocklandschaft von heute nachhaltig zu erneuern.
Sarah, die Influencerin
Für Sarah Jeffery begann alles beinahe zufällig. Vor zehn Jahren stellte sie fest, dass online nur sehr wenige Informationen über die Blockflöte zu finden waren. Kurzerhand nahm sie ihr iPhone 6, platzierte es auf ihrem Bett und nahm ein kurzes Video auf, in dem sie von ihren Erfahrungen mit dem Instrument erzählte. Das Video fand in einer Facebook-Community schnell sein Publikum. Sarah Jeffery begriff, dass sie einen Nerv getroffen hatte, und begann, in den folgenden fünf Jahren jede Woche ein Video zu produzieren – gefilmt zunächst in ihrem Zimmer, dann in einem gelb tapezierten Flur, bevor sie sich nach und nach ein professionelles Heimstudio einrichtete. Die Videos behandeln die unterschiedlichsten Themen: das Bühnenleben, Instrumentaltechnik, historische Instrumente oder auch die Balance zwischen mentaler Gesundheit und einer Karriere im Fokus der Öffentlichkeit. Heute wird „Team Recorder“ in 196 Ländern verfolgt.
Lange davor verliebte sich Sarah Jeffery bereits im Alter von sechs Jahren in die Blockflöte. Ihre Familie war nicht sonderlich musikalisch, doch ihre Mutter, die das Instrument hobbymäßig spielte, ermutigte sie. Sarah machte ihre schnellen Fortschritte zu einem großen Teil autodidaktisch. Während des Aufwachsens hatte sie jedoch zunächst andere Pläne für ihre Zukunft. „Ich dachte, ich würde Ärztin werden“, erinnert sie sich. Doch ihre Musiklehrer wiesen ihr einen anderen Weg. „Sie erklärten mir, dass man Musik an einem fast magischen Ort namens Konservatorium studieren könne. Ich hatte nicht die geringste Vorstellung davon, was das sein sollte. Und ich war sehr unsicher, weil ich nie Blockflötenunterricht in einem institutionellen Rahmen erhalten hatte. Aber sie gaben mir das Vertrauen, das ich brauchte.“ Ihr unermüdlicher Einsatz ermöglichte ihr schließlich die Aufnahme am Royal Birmingham Conservatoire und später am Conservatorium van Amsterdam, wo sie ihren Bachelor und anschließend ihren Master im Fach Blockflöte abschloss. „Von dem Moment an, als ich mich entschied, Blockflötistin zu werden, habe ich nie zurückgeblickt“, erklärt sie.

Dennoch kann das Leben als Berufsmusikerin hart umkämpft sein. Jeffery ebnete sich ihren Weg durch beharrliches Engagement und pure Willenskraft. Sie feierte Erfolge als Interpretin sowohl für Alte als auch für zeitgenössische Musik und baute parallel dazu ihre YouTube-Präsenz weiter aus. Im Jahr 2022 wurde sie in das Lehrkollegium des Royal College of Music aufgenommen. Trotzdem blieb sie als konzertierende Künstlerin aktiv, gab Meisterklassen und veröffentlichte Tutorials sowie Notensammlungen bei namhaften Verlagen wie Schott und Hal Leonard. Ihr voller Terminkalender ist ständig im Wandel, doch diese Vielseitigkeit definiert sie. „Ich wusste immer, dass ich eine Portfolio-Karriere führen würde“, sagt sie. Als Profi blüht sie vor allem dann auf, wenn sie ihre Projekte eigenständig erschaffen kann.
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