Mathilde Vialle & Thibaut Roussel

The Last Rose: englische Viola und venezianische Archiluthe

→Was geschieht, wenn eine englische Gambe von 1679 auf eine venezianische Erzlaute von 1654 trifft? Ein Stück barockes England erwacht – erweckt von Mathilde Vialle, Thibaut Roussel und ihren Mitstreitern! 

The Last Rose: englische Viola und venezianische Archiluthe

Mit einem feinsinnigen Programm, das Purcell, Hume und wiederentdeckte anonyme Werke vereint, lässt dieses neue Projekt des Musée de la musique Archive und Emotionen in Dialog treten. Auf historischen Instrumenten der Sammlung eingespielt, erkundet The Last Rose elegant die halb vergessenen Geheimnisse des englischen 17. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Mathilde Vialle an der Bassgambe und Thibaut Roussel, Erzlaute. 

Ihr Projekt wurde Realtität dank der Entdeckung zweier außergewöhnlicher Instrumente des Musée de la musique: eine Bassgambe von John Pitts (1679) und eine Erzlaute von Christoph Koch (1654). Was löste diese Entdeckung in Ihnen aus, und wie prägten die Instrumente Ihre Interpretation dieses englischen Repertoires? 

Mathilde Vialle: Die beiden Instrumente, denen wir auf dieser Aufnahme die Ehre geben wollten, waren regelrechte Offenbarungen – sie haben uns auch nach 350 Jahren noch so viel zu sagen! Für mich hat die Pitts-Gambe meine Herangehensweise an das Repertoire wirklich geprägt: Durch ihre leichte Spielbarkeit und die Wendigkeit, die sich aus ihrer Größe ergibt, fliegt die Hand geradezu über das Griffbrett und der Bogen über die Saiten. Das kommt den virtuosen Diminutionen, die in der englischen Musik dieser Zeit üblich waren, perfekt entgegen. Plötzlich ergibt alles einen Sinn – Repertoire und Instrument verschmelzen! 

Thibaut Roussel: Es ist unglaublich aufregend, ein Instrument nach Jahrhunderten des Schweigens wieder zum Klingen zu bringen! Die ersten Töne gingen wirklich unter die Haut! Vor allem bei der kleinen Pitts-Gambe hatte man das Gefühl, eine schlafende Schönheit nach langer Zeit wieder zu wecken. Instrumente brauchen ja Zeit, bis das Holz wieder optimal schwingt – aber bei dieser Gambe war das Erwachen spektakulär: Schon nach ein paar Minuten füllte sie unseren Probenraum mit ihrem magischen, warmen Klang. Da war es um uns geschehen – absolute Liebe auf den ersten Ton! 

Das Programm von The Last Rose verbindet emblematsche Werke von Purcell, Hume oder Blow mit anonymen Stücken aus wenig bekannten Manuskripten. Wie haben Sie diese Werke ausgesucht und wie sind Sie vorgegangen, um diese vergessene Musik wieder zum Leben zu erwecken?

M. V.: Das Herz unseres Projekts ist ein bisher unveröffentlichtes Manuskript der Bibliothèque nationale de France [RES VM7-703 und RES VM7-697]. Es enthält hunderte von Seiten, die englische Gambisten in den 1660er-1680er Jahren für Gambe mit Basso continuo schrieben – ein wahrer Schatz, der nur darauf wartete, neu entdeckt zu werden. Die meisten Stücke darin sind anonym oder, genauer gesagt, bis heute nicht an irgendjemanden zugeschriben. Aber einige davon sind von einem Gambisten, der definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient: Anthony Poole. Unser Projekt baut auf diesem Manuskript — und besonders den Stücken Pooles — auf, ergänzt durch Vokalmusik und Stücke für Erzlaute solo von heute bekannteren Komponisten. 

T. R.: Uns war sofort klar, dass wir die Klangerfahrungen rekonstruieren wollten, die diese Instrumente in ihren Jugendjahren erlebt haben könnten. Wir dachten also darüber nach, was damalige Kollegen auf diesen außergewöhnlichen Instrumenten spielten – von tanzbarer Populärmusik, die wir heute zeitgenössische Musik nennen würden, und modischen Songs aus Londoner Salons der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Kern bleibt natürlich das geheimnisvolle in Saint-Omer kopierte Manuskript, in dem 11 englische Komponisten geniale Gambenmusik festhielten! 

Die Kombination Ihrer vier Instrumente und Stimmen schafft eine einzigartige Klangtextur. Wie haben Sie zusammengearbeitet, um die Timbres aneinander anzupassen, alles gut auszubalancieren?

M. V.: Neben den beiden Prachtstücken des Musée de la musique haben wir ein Virginal verwendet – Schlüsselinstrument der elisabethanischen Ära, aber in England auch noch während des 17. Jahrhunderts –, um so ein kleines Ensemble nachzubilden, wie man  es auf Gemälden dieser Zeit sieht. Und schließlich haben wir uns ja entschieden, unsere Palette dadurch zu erweitern, dass wir Chansons mit ins Programm aufnehmen, die im damaligen England en vogue waren, denn vor allem wollten wir ja eine möglichst große Vielfalt an Klangfarben präsentieren, aber dabeim immer im intimen Rahmen eines Salons, eines Zimmer bleiben. 

T. R.: Die Klangverschmelzung ergab sich dabei ganz natürlich. Wir haben immer darauf geachtet, den Instrumenten nicht unsere eigene Handschrift aufzudrücken, sondern dem zu lausche, was die Instrumente uns anbieten. Unsere Tonmeister, Alban Moraud und Alexandra Evrard, hatten da immer ein Ohr drauf. Und es ist absolut faszinierend, zwei Instrumente zusammenzubringen, die sich historisch nie begegnet sind: Die Erzlaute hat ihr Leben in Venedig verbracht und könnte dort bedeutende Barockkomponisten inspiriert haben, während man sich bei der Gambe vorstellen könnte, dass sie vielleicht Purcell oder Blow in Londoner Salons oder Theatern begegnet ist. Zwei historische Botschafter, deren feinen Dialog wir hörbar machen – ein Traum! 

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„Ein Album, ebenso subtil wie erhaben!“

prestomusic

„Die Interpretationen sind bezaubernd: stets klar und leidenschaftlich, mit perfekt gewählten Tempi und einer ohrenschmeichelnden Expressivität. Diese Musikgeschichte gehört in jede Sammlung!“

Gerald Fenech, Classical Music Daily