Die Mitsing-Messias-Tradition des Tafelmusik

Wenn Toronto Gastgeber für einen 340 Jahre alten, besonderen Gast spielt… 

→Jeden Dezember erlebt Toronto die Rückkehr Händels aus dem Jenseits, um seinen Messiah zu dirigieren, geschmettert mit voller Stimme von 2.700 Beteiligten. Mit seinem legendären Sing-Along verwandelt Tafelmusik das Oratorium von 1741 in ein gemeinschaftliches Fest, beim dem Geschichte, Humor und musikalischer Überschwang auf eine Weise kollidieren, die ihresgleichen sucht. Unsere Autorin Kate Helsen, seit über zwanzig Jahren Mitglied des Tafelmusik Chamber Choir, beschreibt dieses einzigartige Ereignis.

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Wenn Toronto Gastgeber für einen 340 Jahre alten, besonderen Gast spielt… 
"Wenn der erste Chor von 2.000 zusätzlichen Stimmen gesungen wird, bin ich dennoch nie darauf vorbereitet!" © Dahlia Katz

Toronto, Ontario, Kanada; Sonntag vor Weihnachten. Jedes Jahr um die Mittagszeit scheint an diesem Tag ein goldenes Licht vom Himmel, und ein beleibter Herr mit einer Perücke im Stile des 18. Jahrhunderts und einem prunkvollen Morgenmantel schwebt mit einer großen, zusammengerollten Partitur in Richtung der berühmten Massey Hall. Oder zumindest können wir es uns so vorstellen, denn genau genommen gelingt ihm diese Landung seit fast vierzig Jahren, ohne dass sie je ein Zeuge beobachtet hätte … Gemeint ist selbstverständlich die alljährliche Tradition des Sing-Along Messiah von Tafelmusik, geleitet vom Maestro höchstpersönlich auf seinem eintägigen Gastspiel im Reich der Lebenden. Anders gesagt: Als Tafelmusik-Musiker muss man nicht an den Weihnachtsmann glauben — aber an Händel sollte man unbedingt glauben!

Ein weihnachtlicher Händel: Man muss es sehen, um es zu glauben

Wie soll ich es erklären? Ein Chor aus tausenden von Sängern, vereint mit einem erstklassigen Originalklangorchester und seinem professionellen Chor, um dieses Oratorium zu singen wie die großen britischen Choral Societies des 19. Jahrhunderts – eine kanadische Familientradition. Und in der Mitte von alledem unser geschätzter Chordirektor Ivars Taurins, von Kopf bis Fuß gekleidet als der mürrische, pedantische und letztlich doch wohlwollende Händel. Es ist eine verrückte, aber beglückende Vision, und sie verbindet musikalische Exzellenz, historische Integrität und theatralische Raffinesse auf eine Weise, die Toronto liebgewonnen hat – und die der Rest der Welt sehen (und hören! und singen!) muss, um sie zu glauben.

Tafelmusik: Vierzig Jahre und kein bisschen leise

Seit über vier Jahrzehnten hat sich das Tafelmusik Baroque Orchestra and Chamber Choir einen internationalen Ruf als bedeutender Impulsgeber der globalen Bewegung der Historically Informed Performance (H.I.P.) erarbeitet. 1979 in Toronto gegründet, hat das Ensemble konsequent die Idee vertreten, dass historische Instrumente und Spielweisen einen lebendigeren und aufregenderen Zugang zur Alten Musik eröffnen. Weltweit bestens vernetzt, war das Orchester fast zwanzig Jahre lang Ensemble in Residence beim Festival Klang und Raum in Kloster Irsee und wurde in Kanada unter anderem mit neun Juno Awards wie „Best Classical Album“ sowie dem „Ensemble of the Year“-Preis des Canadian Music Council ausgezeichnet.

Und doch wäre der alte Verdacht, wir könnten heimlich Mitglieder der hyperintellektuellen „Early-Music-Police“ sein, schwer zu entkräften gewesen – gäbe es nicht unsere Messiah-Saison. Jedes Jahr folgt sie demselben Plan: zunächst drei traditionelle Aufführungen, bei denen das komplette, beinahe dreistündige Werk mit höchster Präzision und tiefem Respekt auf historischen Instrumenten dargeboten wird. Ein wechselndes Quartett international renommierter Solisten schließt sich dem Ensemble an und bringt seine eigene Kunst und Interpretation in berühmte Arien wie The Trumpet shall sound oder I know that my Redeemer liveth ein. Und dann kommt das vierte Konzert, das Sing-Along, das Tafelmusik seit 1986 jedes Jahr veranstaltet (abgesehen von pandemiebedingten Unterbrechungen).

Angel

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