Die Barockoper heute (2/3)

In Frankreich: eine Renaissance in drei Phasen

→Es gab eine Zeit, in der die Opern von Jean-Baptiste Lully und Jean-Philippe Rameau nur noch Namen in Geschichtsbüchern waren. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts von den Bühnen verschwunden, schienen sie zu einer rein musikwissenschaftlichen Existenz verdammt zu sein. Doch ab Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine Reihe von Initiativen, Wiederentdeckungen und künstlerischen Wagnissen dieses Repertoire nach und nach wieder zum Leben erweckt. Eine langsame, ungleichmäßige, aber spektakuläre Renaissance, die die französische Opernlandschaft nachhaltig verändert hat.

In Frankreich: eine Renaissance in drei Phasen
2011 an der Opéra-Comique wiederaufgenommen, brachte "Atys" die inzwischen legendäre Produktion von William Christie und Jean-Marie Villégier zurück, die 1987 erstmals auf die Bühne gekommen war. Mit Les Arts Florissants, Bernard Richter, Stéphanie d’Oustrac und Emmanuelle de Negri führte diese Wiederaufnahme das „Wunder Atys“ fort – einen Gründungsmoment der szenischen Renaissance des französischen Barockoperns. © Pierre Grosbois / Opéra Comique de Paris / TBM
Serien
Vollständige Geschichte:
  1. Teil 1:

    Deutschland 1920: Die Wiederentdeckung Händels

  2. Teil 2:

    In Frankreich: eine Renaissance in drei Phasen

  3. Teil 3:

    Vom Archiv auf die Bühne

Im Laufe eines Jahrhunderts durchlief die französische Barockoper drei große Phasen: eine wissenschaftliche Wiederentdeckung von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre, eine szenische Renaissance in den 1980er Jahren und eine neue Anerkennung zur Wende zum 21. Jahrhundert. Was dabei – über die Daten hinaus – auffällt, ist der Wandel in der Wahrnehmung: Von einem vergessenen Kulturerbe hat sich dieses Repertoire zu einem Raum des kreativen Schaffens entwickelt. Die französische Barockoper ist heute kein Objekt mehr, das es wiederzuentdecken gilt, sondern ein Gebiet, das es zu erkunden gilt. Zwar wird das Repertoire, wie auch anderswo in Europa, nach wie vor von einigen wenigen symbolträchtigen Werken dominiert. Doch die Dynamik ist unübersehbar: die eines wiederentdeckten Theaters, das im Dialog mit der Gegenwart stehen kann. Ein Jahrhundert nach den ersten Wiederbelebungsversuchen sind Lully und Rameau keine Geister der Geschichte mehr. Sie sind wieder zu Zeitgenossen geworden.

Vom Vergessen zur Bühne: Ein Jahrhundert der Wiedergeburt der Barockoper in Frankreich

Angel

Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?

Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.

Abonnieren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.

Ich melde mich an