Im Laufe eines Jahrhunderts durchlief die französische Barockoper drei große Phasen: eine wissenschaftliche Wiederentdeckung von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre, eine szenische Renaissance in den 1980er Jahren und eine neue Anerkennung zur Wende zum 21. Jahrhundert. Was dabei – über die Daten hinaus – auffällt, ist der Wandel in der Wahrnehmung: Von einem vergessenen Kulturerbe hat sich dieses Repertoire zu einem Raum des kreativen Schaffens entwickelt. Die französische Barockoper ist heute kein Objekt mehr, das es wiederzuentdecken gilt, sondern ein Gebiet, das es zu erkunden gilt. Zwar wird das Repertoire, wie auch anderswo in Europa, nach wie vor von einigen wenigen symbolträchtigen Werken dominiert. Doch die Dynamik ist unübersehbar: die eines wiederentdeckten Theaters, das im Dialog mit der Gegenwart stehen kann. Ein Jahrhundert nach den ersten Wiederbelebungsversuchen sind Lully und Rameau keine Geister der Geschichte mehr. Sie sind wieder zu Zeitgenossen geworden.
Vom Vergessen zur Bühne: Ein Jahrhundert der Wiedergeburt der Barockoper in Frankreich
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