Wenn man von barocker Orgel spricht, denkt man sofort an berühmte europäische Instrumente – etwa in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume, in Alkmaar, in St. Jacobi in Hamburg oder in der Kathedrale von Toledo. Aber was wäre, wenn Québec – ohne sich mit den „alten“ Ländern vergleichen zu wollen – auch etwas zu bieten hätte, um Bach, Couperin oder Frescobaldi zu spielen?
Die Kolonisation des Sankt-Lorenz-Tals begann nur wenige Monate, nachdem Monteverdi seinen Orfeo uraufgeführt hatte. Trotzdem ist nicht ein einziges mehr von den wenigen Instrumenten erhalten, die im 17. und 18. Jahrhundert dort gebaut oder importiert wurden. In den 1940er- und 50er-Jahren hatte ein Organist, der Bach spielen wollte, in der Regel ein Casavant-Instrument zur Verfügung – mit schwammigem Anschlag, arm an Obertönen (also ohne richtige Mixturen) und ohne die typischen barocken Klangfarben wie Nazard, Tierce oder Krummhorn.
Junge Organisten mischen die Szene auf
Bald schon traten jedoch ehrgeizige junge Organisten auf den Plan. Viele von ihnen waren in Europa ausgebildet worden, wo sie Gelegenheit hatten, zahlreiche historische Instrumente kennenzulernen. Gaston und Lucienne Arel, Bernard und Mireille Lagacé, Kenneth Gilbert und Raymond Daveluy schlossen sich in der Gesellschaft Ars Organi zusammen – mit dem Ziel, die barocke Orgelmusik wieder in den Fokus zu rücken.

Dass kurz darauf drei Instrumente beim avantgardistischen österreichischen Orgelbauer Rudolf von Beckerath bestellt wurden – darunter das berühmte der Oratoire Saint-Joseph –, war ein schwerer Schlag für Casavant, der damals in Québec quasi ein Monopol auf Orgelbau hatte. Ganz fair wäre es aber nicht zu behaupten, Casavant habe die Entwicklungen im europäischen Orgelbau seit den 1920er-Jahren völlig ignoriert. „Man sagt immer, bei Casavant sei bis 1958 nichts passiert, bis Lawrence Phelps als neuer Klangdirektor kam. Aber das stimmt nicht. Man muss Stephen Stoot würdigen, der versucht hat, auf die Wünsche der Organisten so gut wie möglich einzugehen. Man denke an die Orgel der Kirche Saint-Roch in Québec von 1943“, erklärt Simon Couture, heutiger Klangdirektor der Orgelbaufirma, die bald ihr 150-jähriges Jubiläum feiert.
Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?
Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.
AbonnierenWenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.
Ich melde mich an



Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare abgeben zu können.
Anmelden