Paris, Venedig, Lübeck, Brünn, Basel, Melk

→Von Paris bis Venedig, von Brünn bis Basel lässt die barocke Aktualität Wiederentdeckungen, große Namen und europäische Bühnen miteinander in Dialog treten: Antonia Bembo hält Einzug in das Repertoire der Pariser Oper, Domenico Scarlatti wird in Venedig wiederentdeckt, während Händel und Bach die Frühlingsfestivals weiterhin prägen.

Paris, Venedig, Lübeck, Brünn, Basel, Melk
© Bernd Uhlig / Opéra national de Paris

Ercole amante von Antonia Bembo an der Pariser Oper

Trotz der streikbedingten Absage der Premiere am 28. Mai erlebte Ercole amante, die Oper der Komponistin Antonia Bembo, am folgenden Tag in der Opéra Bastille ihre erste Pariser Aufführung. Das 1707 auf ein Libretto von Francesco Buti komponierte Werk, das bereits Francesco Cavalli für den anlässlich der Hochzeit Ludwigs XIV. mit Maria Theresia von Österreich in Auftrag gegebenen Ercole amante vertont hatte, hält damit Einzug in das Repertoire der Pariser Oper, in einer Inszenierung von Netia Jones und unter der musikalischen Leitung von Leonardo García-Alarcón.

Mit Andreas Wolf, Ana Vieira Leite, Julie Fuchs, Cappella Mediterranea, dem Chœur de chambre de Namur und Leonardo García-Alarcón.

© Maja Higgins

Tetide in Sciro von Domenico Scarlatti in Venedig

In der Scuola Grande dei Carmini in Venedig präsentierten Liesl Odenweller und das Venice Music Project Tetide in Sciro in konzertanter Fassung, eine seltene Oper in drei Akten von Domenico Scarlatti, die 1712 in Rom uraufgeführt wurde. Diese moderne venezianische Erstaufführung ist das Ergebnis zweijähriger Forschungs- und Analysearbeit rund um das in Venedig aufbewahrte Manuskript, die einzige vollständig überlieferte Quelle des Werks.

Mit Liesl Odenweller und dem Venice Music Project.

© Fred Mortagne

Raphaël Pichon auf den Spuren Bachs in Norddeutschland

Pygmalion und Raphaël Pichon feierten das zwanzigjährige Bestehen des Ensembles mit Bachs Messe in h-Moll, die zum Abschluss der Chemins de Bach 2026 („Bachs Wege“) im Lübecker Dom aufgeführt wurde. Nach zwei Wochen des Wanderns, der Begegnungen und gemeinsamer Momente mit dem Publikum verband diese musikalische Route mehrere Orte in Norddeutschland, darunter Wolfenbüttel, Lüneburg und Lübeck, Städte, die für die Ausbildung des jungen Bach und für die Musikgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts von großer Bedeutung waren.

Mit dem Choeur et Orchestre Pygmalion und Raphaël Pichon.

© Opéra de Brno

Agrippina von Händel mit Collegium 1704 in Brünn

Nach Alcina und Le nozze di Figaro kehrten Václav Luks und Collegium 1704 mit Händels Agrippina an die Oper Brünn zurück, aufgeführt im Janáček-Theater in einer ausgeprägt vom Art déco geprägten Inszenierung von Martin Glaser. Die am 11. April 2026 erstmals gezeigte Produktion beendete ihre Aufführungsserie Ende Mai mit einer audiovisuellen Aufzeichnung am 30. und 31. Mai für Arte und das Tschechische Fernsehen.

Mit Collegium 1704 und Václav Luks.

© J. Islinger

Ariodante und La Cetra in Basel

Das La Cetra Barockorchester Basel präsentierte Händels Ariodante in konzertanter Fassung im Stadtcasino Basel. Mit Magdalena Kožená in der Titelrolle ist diese Produktion Teil einer Europatournee, die unter anderem über Wien, Oviedo, Madrid, Paris und Halle führt.

Mit Magdalena Kožená, Erika Baikoff, Christophe Dumaux, Emiliano Gonzalez Toro, La Cetra Barockorchester Basel und Andrea Marcon.

© Daniele Matejscheck

Händel und Concentus Musicus Wien in Melk

In der eindrucksvollen Kulisse der Stiftskirche Melk eröffnete Concentus Musicus Wien die Internationalen Barocktage Stift Melk 2026 mit Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno. Unter der Leitung von Stefan Gottfried entfaltete sich das Oratorium HWV 46a in der charakteristischen Akustik des im 11. Jahrhundert gegründeten Sakralbaus.

Mit Giulia Semenzato, Patricia Nolz, Mara Gaudenzi, Michael Schade, Concentus Musicus Wien und Stefan Gottfried.