Lange bevor historische Instrumente in den großen Konzertsälen selbstverständlich wurden, setzte Nürnberg bereits auf sie. Am 16. November 1956 riefen das Germanische Nationalmuseum und das Hörfunkstudio des Bayerischen Rundfunks Musica Antiqua ins Leben – mit einem Programm barocker Kammermusik, das unter anderem Bach und Fasch rund um den Oboisten Helmut Winschermann vereinte. 70 Jahre später ist die Reihe zu einem bedeutenden Zeugen für den Aufstieg der historisch informierten Aufführungspraxis geworden.
Ihre Besonderheit lag von Anfang an im Zusammenspiel von Konzerten, Forschung und der Musikinstrumentensammlung des Museums: Ab 1962 beschäftigte das Museum Spezialisten, die seine Instrumente erforschten und restaurierten, während genaue Vermessungen den Nachbau historischer Instrumente und die Wiederentdeckung vergessener Klangwelten förderten. Der Bayerische Rundfunk wiederum machte diese neuen Aufführungspraktiken durch seine Aufnahmen einem breiten Publikum zugänglich.
Im Laufe der Jahrzehnte waren Nikolaus Harnoncourt, Gustav Leonhardt, Ton Koopman, Jordi Savall, Trevor Pinnock, Andreas Scholl, Dorothee Mields und Dorothee Oberlinger in der Reihe zu Gast, ebenso Musica Antiqua Köln, Il Giardino Armonico, L’Arpeggiata und die Akademie für Alte Musik Berlin. Die 70. Saison wurde am 16. September von Katharina Bäuml und Capella de la Torre mit einem symbolträchtigen Werk eröffnet: Monteverdis Marienvesper, die 1956 noch nahezu exotisch wirkte und seither zu einem der Sinnbilder der Wiederentdeckung des Barock geworden ist. Die Jubiläumssaison läuft bis Mai 2027 und reicht vom deutschen Renaissance-Lied bis zum Organum der Notre-Dame-Schule, mit Leila Schayegh und der Pracht barocker Trompeten als weiteren Höhepunkten.
Offizielle Website: https://www.br.de

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