SIE WAREN KOMPONISTINNEN  

La Ménétou, ein Wunderkind in Versailles

→Françoise-Charlotte de Saint-Nectaire (1679–1745) ist die jüngste französische Komponistin, deren Partituren in Frankreich jemals im Druck erschienen. Offensichtlich wurde dieses kleine Wunderkind sehr gut gefördert und nutzt sein Talent ebenso meisterhaft wie seine Instrumente oder seine Kontakte.

La Ménétou, ein Wunderkind in Versailles
 Mademoiselle de Ménétou, sitzend und Cembalo spielend © anonym, um 1690, Bibliothèque nationale de France. 

Françoise-Charlotte de Saint-Nectaire (1679–1745), bekannt als Mademoiselle de Ménétou, wurde in eine Adelsfamilie geboren, galt als Wunderkind und hinterließ der Nachwelt, im Alter von nur 11 Jahren, das Werk der jüngsten französischen Komponistin. Lange blieb ihre Musik eine Randnotiz, bis neuere Forschungen zu den Komponistinnen des Ancien Régime sie wieder ans Licht brachten. Total Baroque Magazine lädt Sie ein, das Leben dieser Frau in Teilen zu entdecken, der die Musik als Erbe und Empfehlung bereits in die Wiege gelegt wurde – und die auf Flöte und Cembalo ebenso virtuos spielte wie auf der Klaviatur ihrer Beziehungen.

Incipit: Erlesene Herkunft

Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten, um die Herkunft von Françoise-Charlotte de Saint-Nectaire zu betrachten. Als Tochter von Henri-François de Saint-Nectaire, dem Herzog von La Ferté-Senneterre, und Marie-Isabelle-Angélique de La Mothe-Houdancourt entstammte sie einer Familie mit direktem Zugang zum Hof von Versailles. Da ihre Mutter zudem die Patin des späteren Königs Ludwig XV. war, war es nur natürlich, dass die kleine Françoise-Charlotte, aufgewachsen mit den Klängen von Lully, ihr erstes Konzert am Hof des Sonnenkönigs gab. Da war sie gerade einmal neun Jahre alt.

Leistung: Reif für das Buch der Rekorde

Mademoiselle de Ménétou hätte zweifellos einen Platz in den Rekordbüchern verdient. Mit zehn Jahren spielte sie bei der Dauphine vor Ludwig XIV. Cembalo, und mit elf Jahren wurde sie zur jüngsten Komponistin, deren Werke vom königlichen Verleger Christophe Ballard veröffentlicht wurden. Die 1691 erschienene Sammlung Airs sérieux à deux versammelt ausschließlich weltliche Arien mit Basso continuo – eine bemerkenswerte Wahl für ein Kind dieses Alters, die bereits von einer vollkommenen Beherrschung der musikalischen und gesellschaftlichen Codes des Hofes zeugt.

Hier haben wir es eindeutig mit einer ernstzunehmenden historischen Konkurrentin für Mozart zu tun! Doch das Wunderkind besaß weit mehr als nur eine Begabung: Sie war nicht nur eine herausragende Cembalistin und Flötistin, sondern glänzte auch als Tänzerin. Mit zwölf Jahren trat sie bei der Hochzeit des Herzogs von Chartres mit Mademoiselle de Blois auf. Sie hätte heute zweifellos jede Kategorie einer Talentshow für junge Klassik-Virtuosen gewonnen.

Angel

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