KATI, die Kantionalsatzmaschine 

Die Nachtruhe-Rettungsmaschine für Organisten und Chorleiter 

→Viele Organisten oder Chorleiter werden die Situation schon erlebt haben: Samstag Abend — man stellt die Lieder für den sonntäglichen Gottesdienst, eine Taufe oder Hochzeit zusammen — und möchte da spontan ein Lied spielen, das nicht im Gesangbuch steht, für das man also keinen fertigen Kantionalsatz hat. Was also tun? 

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Die Nachtruhe-Rettungsmaschine für Organisten und Chorleiter 

Vierstimmige Sätze schreiben — das ist für die meisten Musiker kein großes Problem. Aber es kostet doch Zeit; die man nicht immer hat. Dieses Problem kennen Sie? Dann sollten Sie auch KATI kennenlernen, eine nicht-kommerzielle Web-Anwendung der Musikhochschule Weimar.

Bildunterschrift zum Hauptbild: „Die Musiktheorie profitiert sehr davon, sich mit solchen Instrumenten auseinanderzusetzen, denn dadurch können wir unsere künstlerischen Stärken hervorheben.“

KATI: Ein Segen für die Musiker-Nachtruhe 

Klar, man kann sich hinsetzen und einen schreiben: Das ist nicht allzu schwer — aber man muss doch die Regeln dafür kennen, und ein wenig nachdenken. Und natürlich die Zeit investieren, die Noten, die Harmonien in einem Notensatzprogramm aufzuschreiben. Alles machbar; aber eigentlich wollte man doch lieber ins Bett gehen, um am nächsten Tag frisch zu sein? 

Für solche Fälle gibt es nun KATI! 

Was ist ein „Kantionalsatz“?

Ein Kantionalsatz ist ein vierstimmiger, meist homophoner und syllabisch komponierter Choralsatz auf die Melodie etwa eines Kirchenliedes. Diese Melodie ist dann der Sopran, darunter erklingen Alt, Tenor und Bass. Für diese Art des Satzes gibt es entsprechende Regeln zur Komposition, die je nach Epoche auch variierten: Um 1600 sahen sie beispielsweise noch etwas anders aus, als zu Zeiten Bachs oder später Rheinbergers. 

Der Musiktheorieprofessor Jörn Arnecke, Leiter des KATI-Projekts © Henry Sowinski

»KATI ist eine Kantionalsatzmaschine. Das heißt, KATI ist in der Lage, wenn man ihr eine Melodie oder einen ganzen Satz gibt, die Melodie herauszugreifen und einen vierstimmigen Satz darauf zu komponieren. Und zwar nach den Stilregeln aus der Zeit um 1600, in der man diese Kantionalsätze geschrieben hat. KATI spuckt dann einen kompletten Satz aus, den kann man sich runterladen, in ein Notensatzprogramm hineinbringen. Und dann hat man eine schöne vierstimmige Art des Satzes, die dann zu dieser Melodie passt«, erklärt Jörn Arnecke, Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Weimar, und Projektverantwortlicher für KATI. 

Eine universitäre Innovation aus Weimar

Denn eigentlich ist KATI ein nicht-kommerzielles Hochschulprojekt der Hochschule für Musik Franz Liszt im deutschen Weimar, gefördert im Rahmen der Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre. Diese Fellowships sind Bestandteil der Thüringer Strategie zur Digitalisierung im Hochschulbereich des Thüringer Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums — dessen Ministerialbeamten beim Gedanken an digitale Hochschulen vielleicht auch nicht als allererstes Choralsätze aus der Zeit um 1600 in den Sinn gekommen wären … 

Der Komponist und Informatiker Alex James Vaughan, Mitentwickler von KATI © DR – 2025 Alex Vaughan
Angel

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