Johanna Rose, unangepasste Gambistin

→Johanna Rose, die deutsche Gambistin mit Wohnsitz in Sevilla, zählt nach ihrem Studium in Basel, Mailand und Lugano zu den führenden Interpretinnen ihrer Generation. Ihr Spiel besticht durch einen persönlichen, sinnlichen Klang, ein Repertoire jenseits des Mainstreams und Interpretationen voll Brillanz, Präzision und emotionaler Wärme. Nach ihrer jüngsten CD „Visions du Diable“, die den Werken von Marin Marais und Antoine Forqueray gewidmet ist, entwickelt sie nun ein Multimediaprojekt, das deutsche und französische Barockmusik mit aufgezeichneten Videoclips verbindet, in Klangwelten zwischen gregorianischem Gesang und Heavy Metal. Porträt einer nonkonformistischen Künstlerin.

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Johanna Rose, unangepasste Gambistin
„Man muss auf der Gambe auch mal an die Grenze gehen und mehr rausholen, als immer nur dieses Nasale!“ © Laura León

Von ihrer Wahlheimat Sevilla aus schlägt die deutsche Gambistin Johanna Rose einen einzigartigen Weg ein. Ausgebildet in Basel, Mailand und Lugano und heute in Andalusien bei der Accademia del Piacere beheimatet, gehört sie zu jener neuen Generation von Interpreten, die ästhetische Grenzen ablehnen. Sie bewegt sich ebenso souverän in der raffinierten Welt von Marin Marais (1656-1728) und Antoine Forqueray (1672-1744), die im Mittelpunkt ihrer neuesten CD „Visions du Diable“ steht, wie in einem Multimediaprojekt, das mit gregorianischem Gesang, Improvisation oder gar Heavy-Metal-Musik flirtet, und vertritt dabei einen tief verinnerlichten Ansatz für die Viola da gamba. Für sie ist Alte Musik weder ein Museum noch eine Stilübung: Sie ist ein lebendiges, sinnliches Material, durchdrungen von Energie und Freiheit. Porträt einer Künstlerin, die es wagt, die Grenzen ihres Instruments zu erweitern – musikalisch ebenso wie geistig.

Eine junge blonde Frau schaut konzentriert in die Kamera; sie trägt ein dunkelrosafarbenes Gewand, eine Mischung aus Kleid und Morgenmantel, das rechte Bein lugt hervor, daran angelehnt eine dunkelbraune, sechssaitige Gambe.

Schon das Coverfoto der neuesten CD von Johanna Rose zeigt: Diese Musikerin überlässt nichts dem Zufall. Sie präsentiert sich bewusst leicht provokant, erotisch aufgeladen, mit großem ästhetischem Anspruch. „Es ist nicht meine Gambe“, meint sie, „die hätte farblich nicht zu dem Kleid gepasst“. Aufgenommen ist das Ganze in einem leeren Pool in einem Landhaus bei Sevilla, auf dem Boden ein Rest Herbstlaub, hinter Johanna Rose eine blassblaue Beckenwand. „Es war schon abends, als wir das aufgenommen haben, das Licht ist sehr gedämpft, so ein bisschen eine teuflische Atmosphäre, und das passt ja dann auch zu dem Titel ‚Visions du Diable‘.“

Nicht nur das Coverfoto der neuesten CD von Johanna Rose, zusammen mit dem Cembalisten Javier Núñez, ist sehr persönlich, sondern auch die Auswahl der Werke, Suiten von Marin Marais und Antoine Forqueray, beide tätig am Hof von Versailles unter Ludwig XIV. „Erotik passt doch in diese Zeit“, findet die junge Musikerin und hat deshalb auch kein Problem mit ihrem Foto. Es ist die Glanz-Ära der Gambe, nie wieder wird sie solche Triumphe feiern wie in den Salons des Sonnenkönigs. Marais und Forqueray, mit ihnen hat sich Johanna Rose die damaligen Starvirtuosen des aristokratischen Saiteninstruments ausgesucht, als Komponisten angeblich sehr unterschiedlich. Der eine, Marais, schreibt Musik von heiterer Schönheit, elegant und anmutig, der andere eine Art Rockstar seiner Zeit, ein kühner Improvisator, wild und ungestüm. Johanna Rose räumt auf mit den Klischees, begegnet beiden Komponisten mit expressiver Energie und gleichzeitig suggestiver Wärme, je nach Werk, je nach künstlerischer Aussage. Typisch für sie ist ihr pointierter, emotionaler Interpretationsstil. Jeder Ton ist Ausdruck, ist lebendig und körperlich; ihr Spiel ist elegant und hochvirtuos, ihre Klanggestaltung differenziert und sensibel. „Les voix humaines“, das Schlussstück auf ihrer CD – eine davon ist ganz offensichtlich die Gambe von Johanna Rose, die atmet, phrasiert, erzählt.

„Man muss auf der Gambe auch mal an die Grenze gehen und mehr rausholen, als immer nur dieses Nasale“, meint Johanna Rose selbstbewusst, nimmt auch mal einen schwereren Bogen oder versieht ihre Saiten mit mehr Spannung. Ein Gambenbauer stellt ihr ihre Instrumente nach ihren Vorstellungen ein. Wie jeder Gambist, jede Gambistin hat auch sie davon eine ganze Kollektion zuhause in Sevilla, die liebste ist ihr die tiefe, die Bassgambe, danach die Tenorgambe.

Angel

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