Freiburger Barockorchester

Die Weitergabe nach Hans-Georg Kaiser

→Seit 1989 begleitet Hans-Georg Kaiser das Freiburger Barockorchester auf seinem Weg zu internationaler Anerkennung. Heute, im Alter von 64 Jahren, hat der seit 37 Jahren amtierende Manager und Geschäftsführer des Orchesters beschlossen, zum 1. Juli zurückzutreten und die weitere Entwicklung einem neuen Führungsteam zu übertragen: Selma Brauns, künstlerische Leiterin, und Paul Enke, kaufmännischer Leiter. Gemeinsam sollen sie die Zukunft eines Ensembles gestalten, das heute zu den weltweit besten Orchestern auf historischen Instrumenten zählt. Hans-Georg Kaiser blickt auf seinen Werdegang zurück und wirft einen Blick auf die neuen Perspektiven des Orchesters.

Die Weitergabe nach Hans-Georg Kaiser
Hans-Georg Kaiser, der scheidende geschäftsführende Intendant des FBO, der künftig Aufgaben in den Bereichen Fundraising, Sponsoring und Beziehungsmanagement übernehmen wird. © Franziska Kraufmann

Als Hans-Georg Kaiser 1989 zum Freiburger Barockorchester stieß, fand er ein junges Ensemble vor, das von der Energie einer Handvoll leidenschaftlicher Musiker getragen wurde, aber dringend organisatorischer Unterstützung bedurfte. 37 Jahre später zählt das FBO zu den renommiertesten Ensembles für historische Aufführungspraxis weltweit. Es gastiert in den großen internationalen Konzertsälen, verfügt über ein eigenes Ensemblehaus in Freiburg und hat eine künstlerische Identität entwickelt, die aus musikwissenschaftlicher Forschung, stilistischer Neugier und klanglichem Anspruch erwachsen ist. Wenige Tage vor der Übergabe an eine neue Generation blickt Hans-Georg Kaiser für das Total Baroque Magazine auf die Pionierjahre der Alten Musik in Deutschland zurück, auf den internationalen Aufschwung der historisch informierten Aufführungspraxis seit den 1990er-Jahren und auf die Herausbildung des Berufsbilds des Kulturmanagers – aber auch auf die Herausforderungen der Zukunft: die Erneuerung des Ensembles, die Bedeutung privater Finanzierung und die Weitergabe eines Ensemblegeistes, der trotz allen Erfolgs seinem ursprünglichen kollektiven Ideal treu geblieben ist. 

Sie geben Ihr Amt als Manager und Geschäftsführer zum 1. Juli ab – zwei Jahre früher als geplant. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? 

Hans-Georg Kaiser: Ich bin überzeugt, dass jede Institution irgendwann neue Perspektiven braucht – auch im Management. Junge Menschen bringen einen anderen Blick auf die Gegenwart mit und neue Ideen dafür, wie man ein Ensemble heute am Markt positionieren kann. Dafür sind wir jetzt bereit. Deshalb habe ich mich entschieden, etwas früher aufzuhören. 

Gleichzeitig bleibe ich dem Orchester verbunden, insbesondere im Bereich der privaten Finanzierung. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft der Kultur stärker von privatem Engagement abhängen wird. Die öffentliche Förderung gerät zunehmend unter Druck – das sehen wir bereits heute in vielen Bereichen. 

Dabei spielen Netzwerke eine entscheidende Rolle. Kontakte entstehen über Jahrzehnte hinweg; sie sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Ich sehe es als meine Aufgabe, dieses Netzwerk an die nächste Generation weiterzugeben und sie beim Aufbau eigener Strukturen zu unterstützen. 

Sie sind seit fast vier Jahrzehnten beim Freiburger Barockorchester tätig. Wie hat Ihr Weg dorthin begonnen? 

H.-G. K.: Ich habe tatsächlich sehr früh angefangen – mit 27 Jahren, direkt nach meinem Studium in Freiburg. Ich hatte Schulmusik und Violine studiert, aber mir war schon während des Studiums klar, dass ich nicht den klassischen Weg einschlagen wollte, also weder unterrichten noch an eine Schule gehen. Mich interessierte vielmehr immer das, was hinter der Bühne passiert: Wie entsteht ein Konzert? Welche organisatorischen, logistischen und künstlerischen Prozesse greifen ineinander? Diese Fragen haben mich fasziniert. Bereits in den 1980er-Jahren begann ich systematisch Kontakte zu sammeln. Ich hatte damals – was eher ungewöhnlich war – einen Personalcomputer und ließ mir weltweit Adressen von Festivals, Konzertveranstaltern und Institutionen zuschicken. Ich wollte verstehen, wie Programme entstehen und wie sich die Szene entwickelt. Rückblickend war das eine Art Vorarbeit für das, was später kommen sollte. 

Angel

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