Diese Saison markiert das fünfundzwanzigjährige Bestehen des Concert d’Astrée, eines der bedeutendsten Ensembles für barocke Musik in Frankreich. Zu den herausragenden Ereignissen zählen Emmanuelle Haïms Produktionen von Händels Semele an der Dutch National Opera in Amsterdam und Scylla et Glaucus von Jean-Marie Leclair am Opernhaus Zürich, beide in Inszenierungen von Claus Guth. Dazu kommen Konzerttourneen durch zahlreiche renommierte Häuser in Frankreich und Spanien. Ihrem Engagement vor Ort tut das keinen Abbruch: In Schulen der Hauts-de-France initiiert sie neue pädagogische Projekte, getragen von der Überzeugung, Musik für alle zugänglich zu machen. Ein Gespräch.
Nach fünfundzwanzig Jahren Concert d’Astrée – welches Gefühl überwiegt, wenn Sie zurückblicken?
Emmanuelle Haïm: Ehrlich gesagt schaue ich vor allem nach vorn, weil die Herausforderungen groß bleiben. Trotz unserer nunmehr langen Geschichte sind die Musik und insbesondere unabhängige Ensembles wie unseres in ihrer Existenz ständig mit Schwierigkeiten konfrontiert, oft wirtschaftlicher Art. Vor fünfundzwanzig Jahren hätten wir die unternehmerischen Implikationen wahrscheinlich gar nicht vollständig abschätzen können. Hätten wir es getan, hätten wir es vielleicht gar nicht gewagt (lacht). Aber für uns ging damals alles sehr schnell. Wir wurden schon früh an prestigeträchtige Orte eingeladen, mit sofort hohen Erwartungen, ohne eigentlich über die nötigen Mittel zu verfügen – wir hatten am Anfang ein sehr kleines Team. Rückblickend war es gut, sich mit diesen Fragen früh auseinandersetzen zu müssen. Dinge gewinnen an Wert, wenn man weiß, was es bedeutet, etwa eine große französische Tragédie lyrique an einem Opernhaus aufzuführen.
Nehmen wir die beiden Iphigénie-Opern von Gluck bei den Festspielen von Aix-en-Provence: Solche Projekte werden vier Jahre im Voraus geplant. Es braucht ein komplettes Ensemble, Chor, Orchester, eine Regie, dazu die Bühnen- und Kostümbildner, das Lichtteam, und dann noch das gesamte Festivalteam. Das ist eine gewaltige Parallelwelt – und man darf sich nicht irren: Der Weg des Musikers, und erst recht der einer musikalischen Leiterin eines solchen Ensembles dahin, ist ein sehr langer.
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