Emiliano Gonzalez Toro & Mathilde Etienne

Ein (nicht so kleines) Barock-Unternehmen 

→Vier Hände, zwei Stimmen, gemeinsamer Elan: Wie Mathilde Étienne und Emiliano Gonzalez Toro ihr Handwerk als Künstler und Handwerker neu erfinden 

Ein (nicht so kleines) Barock-Unternehmen 
Emiliano Gonzalez Toro & Mathilde Etienne © Gemelli Factory

Beide sind Sänger, auch privat ein Paar, und leben in der Nähe von Perpignan. Unter dem Namen Gemelli Factory haben sie ein Ensemble und ein Label gegründet, veröffentlichen Buch-CDs und stürzen sich in ein Projekt nach dem anderen. Ein (gar nicht so) kleines barockes Abenteuer zu zweit. Ein Zwiegespräch mit Mathilde Etienne und Emiliano Gonzalez Toro.

Zwei Künstler – tausend Wege 

Mathilde Etienne: Ich, Mathilde, Sängerin? Das ist eine Frage, auf die ich nie so richtig eine Antwort wusste. Zumindest ist es das, was ich mache. Aber es lässt sich schwer auf einen Nenner bringen, denn ich habe mich nie wirklich in eine Schublade eingeordnet. Ich habe Literatur, Theater und Musik parallel studiert. Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie, aber der Gesang hat mich immer begleitet – auf eine eher handwerkliche, sehr weiblich geprägte Art. Und mit 18, am Konservatorium in Lüttich, habe ich Monteverdi für mich entdeckt. Das war ein Schock, sofort. Weil ich damals gleichzeitig Theater und Musik machte, gab man mir Il pianto della Madonna – ein Stück, das für eine Schauspielerin gedacht ist. Da habe ich verstanden, dass Musik und Theater für mich untrennbar sind. Seitdem versuche ich, alles zusammenzubringen: Stimme, Wort, Spiel, Bild… und so gehe ich meinen Weg – über Hybridformen. 

Emiliano Gonzalez Toro: Bei mir ist es einfacher: Ich bin Sänger. Autodidakt – nicht in allem, aber in vielem. Ich war Oboist, habe Salsa gespielt, aufgelegt, Platten produziert. Alles, was ich mache, lerne ich mir on the job an, mit Neugier. Und ich gehe den Dingen immer auf den Grund. Ich bin da auch ein bisschen obsessiv: Ich tauche ein, eigne es mir an – und dann kommt das Nächste. Mathilde und ich haben uns genau darüber gefunden: Wir lieben es, alles selbst zu machen – vom ersten Ton bis zum fertigen Produkt. Und in der Alten Musik, nach nunmehr sechzig Jahren historisch informierter Aufführungspraxis, suchen wir nach einer neuen Perspektive. Wir gehören zur dritten oder vierten barocken Generation nach den Pionieren des 20. Jahrhunderts – jetzt liegt es an uns, diese Praxis neu zu gestalten. 

Die Begegnung in Spanien 

E. G. T.: Wir haben uns 2005 in Cuenca, Spanien, kennengelernt. Ich kam gerade aus dem Urlaub in Kuba zurück – damals war ich unter anderem auch DJ. Kaum war ich am Flughafen Madrid gelandet, klingelte mein Handy: „Du musst sofort nach Cuenca kommen, der Tenor für Monteverdis Vesper morgen ist krank.“ Ich komme also mitten in die Probe – sie waren gerade beim Ende des Magnificat, ich sollte das Gloria singen. Und siehe da: Unter den Sängerinnen war auch Mathilde.

Angel

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