Das Festival Oude Muziek Utrecht ist legendär. Und – ziemlich intensiv … Die ersten Veranstaltungen beginnen hier um sieben Uhr morgens, die letzten um Mitternacht. Und so gehören übernächtigt wirkende Gestalten mit glasigen Augen, die — Blick auf der Navi-App im Smartphone, das kiloschwere Programmbuch, Pausenbrote und Wasserflasche in der OudeMuziek-Stofftasche über der Schulter — leise summend von Konzert zu Konzert über das Kopfsteinpflaster der Grachten eilen, während des neun Tage Festival unbedingt zum Stadtbild. Mehr als 70.000 Besucher aus aller Herren Länder werden dieses Jahr zu den 370 Veranstaltungen erwartet, die dort in den Tagen zwischen 29. August und 7. September stattfinden, verteilt über die ganze, wunderschöne Altstadt von Utrecht: Größenordnungen, die man sonst eher von Rockfestivals kennt!
Und dabei setzen Festivaldirektor Xavier Vandamme, der künstlerische Berater Jed Wentz und die für Planung zuständige Hitske Aspers gerade nicht auf populistische Schmalspurangebote oder sonstige vermeintliche Publikumsrenner, sondern sie nehmen ihr Publikum ernst, bieten ihm Qualität — und gehen damit durchaus auch mal Risiken ein. Die freilich bislang immer mit begeistertem Zuspruch belohnt wurden.
So gilt es für jeden Musiker, jedes Ensemble als eine Art Adelsprädikat und gefragte Krönung für die Biografie, hier auftreten zu dürfen, selbst in der beim Publikum ungemein beliebten Fringe-Reihe, wo junge Ensembles in Gratis-Konzerten zu hören sind und so in gewissermaßen erhabener Gesellschaft auf sich aufmerksam machen können. Und dazu trifft man hier jedes Jahr wieder eine erkleckliche Zahl von Kollegen, aber auch Journalisten aller Herren Länder — und nicht zuletzt Veranstalter jeglicher Couleur, die sich durch die Konzerte wie durch eine Art Luxus-Kaufhaus der Alten Musik bewegen, wo man das Beste und/oder Neueste aus der Szene appetitlich angerichtet betrachten, hören, und im Zweifelsfall gleich für das eigene Festival, die eigene Konzertreihe buchen kann.
Wir haben mit Jed Wentz darüber gesprochen, wie dieser Erfolg zustande kommt, wie das Thema Museumskunst dieser 43. Edition zu verstehen ist, und ob die Größe des Festivals mehr Fluch oder Segen ist.
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