Vom 11. bis 21. Juni 2026 steht das Bachfest Leipzig ganz im Zeichen des Dialogs. „Im Dialog“: Das von Festivalleiter Michael Maul gewählte Motto spiegelt die Absicht wider, das Festival noch stärker für seine Zeit, seine Interpreten und sein internationales Publikum zu öffnen. Über 200 Veranstaltungen sind in der ganzen Stadt angekündigt, im Mittelpunkt des Programms steht eine ambitionierte „Hitparade“ der Bach-Kantaten, die auf einer weltweiten Abstimmung der Bach-Gemeinde basiert. Über mehrere Monate hinweg haben Musikliebhaber und Fachleute ihre Lieblingswerke ausgewählt, die in zwölf Konzerten von einigen der größten Persönlichkeiten der Alten Musik interpretiert werden, von Philippe Herreweghe über Ton Koopman bis hin zu Sir John Eliot Gardiner. Ein weiterer Schwerpunkt: das 300-jährige Jubiläum des zweiten Bandes des Wohltemperierten Klaviers, das mit großen Zyklen gefeiert wird, die insbesondere Sir András Schiff und Mahan Esfahani anvertraut wurden. Der Musikwissenschaftler Michael Maul, der seit 2018 das Festival leitet, setzt damit eine Programmgestaltung fort, die musikwissenschaftliche Forschung, große Zyklen und den internationalen Publikumsaustausch miteinander verbindet. In diesem Interview möchte Michael Maul zeigen, dass das Bachfest 2026 mehr ist als eine bloße Feier des Kulturerbes – es ist ein lebendiges, gemeinschaftliches Werk in Bewegung.
Wie liefen die Vorbereitungen dieses Jahr ?
Michael Maul: Wir können mehr als zufrieden sein. Bereits vor mehreren Wochen haben wir eine historische Zielmarke im Kartenvorverkauf durchbrochen; aktuell haben wir bereits ein Drittel mehr Tickets abgesetzt als im Vorjahr. Das liegt ganz sicher an der von uns realisierten „Kantaten-Hitparade“, aber natürlich auch an der einzigartigen Strahlkraft des Bachorts Leipzig.
Wie lässt sich der große Zulauf auf das Bachfest begründen?
M.M.: Die historischen Bach-Stätten wie die Thomaskirche und Nikolaikirche, das Bosehaus als Standort von Bach-Archiv und Bach-Museum, aber auch die Komponistenhäuser besitzen eine immense internationale Anziehungskraft – nicht nur durch die Musik. Außerdem spüre ich immer großes Interesse daran, Johann Sebastian Bachs Werke in geschlossenen Zyklen zu erleben. Der Kantatenring 2018 und der Kantatenzyklus „Bachs Messias“ 2021 waren beides riesige Erfolge, so dass wir diese programmatische Linie konsequent fortsetzen. Jedes Jahr gibt es Zyklen aus anderen Gattungen in Bachs Œuvre, etwa die Passionen oder das Werk für Tasteninstrumente. Immer wieder anders steht Johann Sebastian Bach im Mittelpunkt. Die Ausdehnung des Programms auf Kompositionen und Schwerpunkte aus der weit verzweigten Bach-Familie mag zwar für Spezialisten ein Anziehungspunkt sein und liegt uns auch sehr am Herzen, interessiert unser breites Publikum aber weniger. Das bedaure ich etwas. Sogar eine echte musikgeschichtliche Sensation wie die Erstaufführung einer unbekannten Passion von Reinhard Keiser, der aus Teuchern stammte und in Hamburg berühmt wurde, schlägt sich im Bachfest letztlich leider nicht in den Verkaufszahlen wieder.
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