Jordi Savall hat am Montag, den 28. September, in Paris sein Projekt AEVUM vorgestellt, eine neue Online-Musikplattform, deren Start für Ende 2027 angekündigt ist. Ihr Ziel ist es, eine spezialisierte Alternative zu den großen allgemeinen Streaming-Plattformen zu bieten, die nach Ansicht des Musikers sowohl den wirtschaftlichen Bedingungen als auch den Hörgewohnheiten in Bereichen wie Klassik, Alter Musik, Jazz und traditionellen Musikkulturen nur unzureichend gerecht werden. Savall hatte bereits angekündigt, gemeinsam mit französischen und spanischen Fachleuten an einer Plattform zu arbeiten, die ausschließlich diesen Repertoires gewidmet ist.
Schon der Name AEVUM – lateinisch für „die Zeit dessen, was nicht stirbt“ – bringt die Idee des Projekts auf den Punkt: Diese Repertoires der „Kunstmusik“ sollen nicht als bloße Konsumprodukte verstanden werden, sondern als lebendiges Kulturerbe, das Dokumentation, Zeit und eine hohe Hörqualität verlangt. Dafür hat Savall Fachleute aus Musik und Datenverarbeitung um sich versammelt – darunter Yves Riesel, den Gründer von Qobuz –, ebenso wie Entwickler und Ingenieure, die an künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien arbeiten.
AEVUM will unter anderem eine eigens auf diese Repertoires zugeschnittene Datenbank aufbauen, mit umfangreicheren Such- und Dokumentationsmöglichkeiten als auf den großen allgemeinen Plattformen. Künstliche Intelligenz soll bei der Indexierung helfen, während die Blockchain für mehr Transparenz bei der Erfassung der Abrufe und für eine bessere Vergütung von Rechteinhabern, Künstlern und Produzenten sorgen soll.
AEVUM möchte die Vergütung nach der tatsächlichen Hördauer berechnen, die Beiträge der einzelnen Abonnenten gerechter verteilen und Produzenten ermöglichen, einen Teil der üblichen Zwischenhändler im digitalen Vertrieb zu umgehen. Die Plattform verspricht damit deutlich höhere Einnahmen und größere Transparenz für Labels und Produzenten.
AEVUM soll als spezialisiertes Angebot an den Start gehen, ohne die Labels exklusiv an die Plattform zu binden. Zugleich versteht sich das Angebot als Ergänzung zu großen allgemeinen Anbietern wie Spotify, Deezer oder Apple Music. Bis zum geplanten Start Ende 2027 soll eine Konsultationsphase Künstler, Produzenten und Fachleute aus der Branche einbeziehen. Die Finanzierung der Vorbereitungsphase übernimmt Jordi Savall selbst, unter anderem mit dem Preisgeld des Siemens-Preises 2026.
Nachdem der katalanische Gambist und Dirigent 1998 sein eigenes Label Alia Vox gegründet hatte, um Produktion und Vertrieb seiner Aufnahmen selbst in der Hand zu behalten, überträgt er diesen Wunsch nach Unabhängigkeit nun auf die Welt des Streamings.
Offizielle Website: https://www.aevum-musicae.com/

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