Vor zehn Jahren wagte der Geiger Julien Chauvin den Sprung und gründete sein eigenes Ensemble: Le Concert de la Loge – in Anlehnung an das legendäre Concert de la Loge Olympique, das Ende des 18. Jahrhunderts als eines der besten Orchester Europas galt. Heute widmen sich die Musiker auf historischen Instrumenten einem Repertoire, das vom Barock und der Klassik bis hin zum Hip-Hop reicht. Nachdem er gerade den Opus‑Klassik‑Preis in der Kategorie ‚Innovatives Konzert des Jahres‘ erhalten hat, blickt Julien Chauvin für TBM auf eine Dekade voller Entdeckungen und Neugier.
Beginnen wir mit dem Namen Ihres Ensembles, Le Concert de la Loge. Ursprünglich hieß es doch eigentlich Le Concert de la Loge Olympique – was ist aus dem letzten Wort geworden?
Julien Chauvin: Als ich das Orchester 2015 gegründet habe, wollte ich eine historische Pariser Formation aus dem Jahr 1780 wiederbeleben: das Concert de la Loge Olympique, das auf einer freimaurerischen Loge basierte. Das Wort olympique bezog sich auf den Namen dieser Loge: L’Olympique de la parfaite estime – ein Ort, an dem die Musiker sich gegenseitig die größte Wertschätzung entgegenbrachten. Dieses Orchester hat Werke in Auftrag gegeben, unter anderem bei Salieri und Haydn – ein musikalisches Umfeld, das mich sehr gereizt hat. Damit landeten wir allerdings sehr schnell auf dem Radar des Olympischen Komitees, das sich das Adjektiv olympique schon vor einigen Jahren im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen hatte schützen lassen. Nach einem einjährigen juristischen Hin und Her wurde uns schließlich untersagt, das Wort weiter zu verwenden. Es ist zwar noch da – man sieht es –, aber eben durchgestrichen.
Wie sind Sie überhaupt auf das historische Concert de la Loge Olympique gestoßen?
J. C.: Das war tatsächlich lange Zeit kaum bekannt, weil alles, was mit Freimaurerei zu tun hatte, so ein bisschen im Verborgenen lief. Die Musikwissenschaft hat nur sehr spärliche Hinweise auf dieses Orchester gefunden, weil es eben in enger Verbindung zu einer Freimaurerloge stand. Erste Spuren tauchten vor etwa 25 Jahren auf. Als ich mich dann entschloss, den Namen wieder aufzugreifen, haben wir gemeinsam mit Historikern intensiver geforscht, um die Geschichte dieser Formation besser zu verstehen.
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