Anna Magdalena Bach? Diesen Namen kennt man heute — wenn überhaupt — vor allem aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach; und dann fällt dem etwas ambitionierteren Musikfreund vielleicht noch ein, dass diese Dame die Ehefrau des berühmten Johann Sebastian Bach war. Doch sie war weit mehr! Erst in jüngster Zeit widmete sich die Bachforschung endlich auch dieser vielleicht wichtigsten Persönlichkeit in Bachs Leben. Claus Fischer fasst die wesentlichen Erkenntnisse der betreffenden Autoren zusammen.
Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach: eine gut geschriebene Fiktion
Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach, so heißt ein Büchlein der englischen Schriftstellerin Esther Meynell, das 1930 herauskam. Es liest sich zwar auch heute noch anregend, das meiste darin ist jedoch fröhlich und frei erfunden. Allerdings – das muss man zu ihrer Ehrenrettung sagen – hatte die Autorin auch keine Möglichkeit, die etablierte Musikforschung zu Rate zu ziehen, denn für deren meist männliche Protagonisten war Bachs Ehefrau lange nicht interessant.
Erst 2005 erschien das erste wissenschaftliche Buch über Anna Magdalena Bach, verfasst von einer Bachforscherin (!), Maria Hübner vom Leipziger Bacharchiv, Titel: „Anna Magdalena Bach: Ein Leben in Dokumenten und Bildern“. Und erst 2021 veröffentlichte Hübners Wissenschaftlerkollege Eberhard Spree seine weiterführenden Erkenntnisse im Band „Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach: Ein Zeitbild“.
Auf den Spuren der realen Anna Magdalena Bach
Maria Hübner hat für ihr Buch echte Detektivarbeit geleistet, denn streng genommen ist über Anna Magdalena Bach so gut wie nichts bekannt. Ein Porträt von ihr existiert nicht, und die wenigen handschriftlichen Zeilen, die sie selbst hinterlassen hat, geben kaum Auskunft über ihre Person. So musste die Autorin innerhalb mehrerer Jahre eine immens große Menge sogenannter Sekundärquellen durchforsten: Dokumente, Briefauszüge und Bilder, die zusammengefügt so etwas wie die „wahre“ Chronik der Anna Magdalena ergeben.
Künstlerin und emanzipierte Karrierefrau
Als Tochter des Weißenfelser Hoftrompeters Wilke (Wülcken) hat Anna Magdalena vor ihrer Heirat mit Johann Sebastian Bach an den Höfen von Weißenfels und Zeitz eine bemerkenswerte Karriere als Sängerin gemacht. „Wir wissen, daß sie mit zu den bestbezahlten Musikern gehörte“, sagt Maria Hübner. „Sie hat später in Köthen gleich nach Bach und dem Konzertmeister das dritthöchste Gehalt bekommen und sie hat auch nach ihrer Hochzeit als Hofsängerin weitergewirkt.“
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