Les accents & Thibault Noally

Serpentes Ignei in Deserto

→Mit Philippe Jaroussky, Jakub Józef Orliński, Bruno de Sá und Julia Lezhneva findet das neue Album von Les Accents die perfekte Balance zwischen Emotion und Virtuosität – eine glanzvolle Hommage an die musikalische Sprache Johann Adolf Hasses.

Serpentes Ignei in Deserto

Das Oratorium Serpentes Ignei in Deserto wurde um 1738 im Auftrag des Ospedale degli Incurabili komponiert. Hasse schrieb es für die weiblichen Stimmen des venezianischen Ospedale – doch Thibault Noally und sein Ensemble Les Accents drehen dieses Prinzip um und präsentieren eine Version, die (fast) ausschließlich von Countertenören gesungen wird. In einem faszinierenden Trialog begegnen sich hier also Philippe Jaroussky, Jakub Józef Orliński und Bruno de Sá – ein musikalisches Feuerwerk aus dramatischer Intensität und vokaler Exzellenz.

Les Accents und Hasse – diese Begegnung ist für Ihr Ensemble eine Premiere, jedenfalls auf CD. Warum gerade dieses Werk? 

Thibault Noally: Auch wenn ich Hasses Musik bereits mit anderen Ensembles gespielt habe, ist das bislang die erste Aufnahme, die Les Accents ihm widmet. Ich habe das Werk 2007 durch die Wiederaufführung von Jérôme Correas kennengelernt – eine beeindruckende Erfahrung! Schon damals hatte ich den Wunsch, es eines Tages selbst aufzuführen, und nun ist es endlich so weit. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns jetzt dem gesamten Werk Hasses widmen – sein Œuvre ist riesig! Es gibt viele wunderbare Opern und auch viele Oratorien, von denen einige mich besonders interessieren. Sollte Les Accents erneut Hasse spielen, wird es also wohl wieder ein geistliches Werk sein.

Serpentes Ignei in Deserto (teaser) – Les Accents, Thibault Noally

Serpentes Ignei in Deserto ist ursprünglich für Frauenstimmen geschrieben. Warum haben Sie es nun — Mit Ausnahme der Partie des Engels, die von Julia Lezhneva interpretiert wird — ausschließlich mit Männern besetzt?

T. N.: Ja, das Stück wurde für Frauenstimmen komponiert, aber es war damals enorm populär und wurde in den Jahren nach seiner Entstehung in ganz Europa gespielt. Es gibt Manuskripte, die es erwähnen, in fast allen großen Bibliotheken dieser Epoche – von Italien über Deutschland und Frankreich bis nach Tschechien. Und so wissen wir, dass das Stück in diversen Kontexten viele Male aufgeführt wurde, und sicher auch mit Kastraten oder anderen Stimmbesetzungen. Für unser Projekt wollte ich nun insbesondere den theatralischen Charakter des Werks in den Vordergrund stellen, anstatt eine historische Rekonstruktion zu versuchen. Und bei dieser Besetzung konnte ich die außergewöhnliche Generation heutiger Countertenöre einfach nicht ignorieren! Ihre individuellen Stimmfarben und Persönlichkeiten bringen die dramatische Spannung des Werks perfekt zur Geltung. Philippe Jaroussky, mit seiner charismatischen musikalischen Autorität, erschien mir ideal für die Rolle des Moyses. Josue ist eine belkantistische Partie – perfekt für Bruno de Sá. Carlo Vistolis warme Stimme passt wunderbar zur emotionalen Tiefe von Eleazar, während die Rolle des exaltierteren Nathanael mit Jakub Józef Orliński eine perfekte Besetzung fand. Bei so einer Konstellation muss man einfach zugreifen!

Gibt es besondere Herausforderungen in Hasses Partitur?

T. N.: Die erste Herausforderung war, die Theatralik, die darin liegt, optimal zu begleiten – es gibt unglaublich viele dramatische Höhepunkte, und wir mussten ein stimmiges Gleichgewicht zwischen ihnen finden. Die zweite lag in Hasses einzigartiger musikalischer Sprache. Vielleicht war er nicht der gelehrteste aller Komponisten, aber sein Stil ist absolut unverwechselbar – genau wie der von Händel oder Bach. Er hat eine eigene melodische Handschrift, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Außerdem besitzt er ein außergewöhnliches Gespür dafür, die Rezitative zwischen den Arien mit dramatischer Kraft auszugestalten. Seine harmonischen Modulationen sind oft überraschend, wirkliche Wunder, und verleihen den Worten, den Sätzen eine ganz eigene Spannung. Unsere Aufgabe war es, dieser hohen Kunst gerecht zu werden!

Pressespiegel Pressespiegel

„Diese Darbietungen sind brillant; die Streicher von Les Accents erfassen die extrovertierte Brillanz und lyrische Opulenz des Werks von der ersten Note an, und die Solisten nutzen jede Gelegenheit, die Hasses Partitur ihnen bietet.“

THE GUARDIAN

“Thibault Noally findet genau das richtige Maß an italienischer Wärme und Lyrizismus, die Hasse bei seinem italienischen Publikum so beliebt machte.”

Early Music Review

„Diese Darbietungen sind brillant; die Streicher von Les Accents erfassen die extrovertierte Brillanz und lyrische Opulenz des Werks von der ersten Note an, und die Solisten nutzen jede Gelegenheit, die Hasses Partitur ihnen bietet.“

THE GUARDIAN

”… atemberaubende, begleitete Rezitative, eine ausgefeilte Arbeit an Dynamik, Klangfarben und Rhythmus, die Hasses Musik in ihrer ganzen Dichte zeigt.“

Avant-Scène Opéra

“Diese strahlende Interpretation bringt die perfekte Balance zwischen Virtuosität, Spiritualität und Emotion – ein würdiger Tribut an Hasse.”

Olyrix

“Eine gleichermaßen einfühlsame wie virtuose Aufnahme, die sich als ideale Ergänzung zur Pionieraufnahme von Jérôme Correas erweist.”

Forum Opéra

“Mitten in diesem hochkarätigen vokalen Wettstreit beweist das Ensemble Les Accents erneut seine außergewöhnliche Ausdruckskraft – in einem Werk, in dem Virtuosität nie die Musikalität überlagert.” 

Res Musica