40 Jahre Orchester „Les Passions“

Jean-Marc Andrieu: Das musikalische Erbe Südfrankreichs neu entdecken

→Vierzig Jahre, nachdem er einige befreundete Musiker in den Fluren der Konservatorien von Toulouse und Montauban zusammengebracht hatte, blickt Jean-Marc Andrieu auf den Weg zurück, den sein Ensemble Les Passions zurückgelegt hat – geprägt insbesondere von dem Bestreben, das barocke musikalische Erbe Südfrankreichs wiederzuentdecken. Gelassen bereitet er die Übergabe vor.

Jean-Marc Andrieu: Das musikalische Erbe Südfrankreichs neu entdecken
Jean-Marc Andrieu dirigiert 2020 eines von Mozarts Klavierkonzerten. © Monique Boutolleau

1986 startete der Flötist Jean-Marc Andrieu in Toulouse ein Abenteuer namens „Orchestre Baroque de Toulouse“, das später, als er zum Direktor des Konservatoriums von Montauban ernannt wurde, in „Orchestre Baroque de Montauban“ umbenannt wurde und schließlich 2003 den Namen „Les Passions“ erhielt. Vierzig Jahre später ist das Ensemble fester Bestandteil der französischen Barocklandschaft und widmet sich Bach, Scarlatti oder Purcell, vor allem aber einem lange vernachlässigten südlichen Erbe, von Jean Gilles über Blanchard bis hin zu Mondonville. Anlässlich dieses Jubiläums will sich sein Gründer nicht damit begnügen, nur in den Rückspiegel zu blicken. Während Les Passions ihren Zusammenschluss mit dem Chor Dulci Jubilo und dessen Leiter Christopher Gibert vorbereiten, spricht Jean-Marc Andrieu über vier Jahrzehnte Musik, seine Erinnerungen, seine Verbundenheit mit der okzitanischen Region, seine südamerikanischen Abenteuer und einige Träume, die noch in Erfüllung gehen sollen.

Vierzig Jahre für ein Barockensemble –das ist schon ein beachtlich langes Bestehen. Wie blicken Sie heute auf dieses Abenteuer zurück?

Jean-Marc Andrieu: Mein erstes Gefühl ist doch ein gewisser Stolz darauf, dass wir so lange durchgehalten haben, gegen alle Widrigkeiten! Sie können sich sicher vorstellen, dass der Weg nicht immer reibungslos oder ruhig verlief. Ich bin daher sehr glücklich, vierzig Jahre später dieses Ergebnis erreicht zu haben: ein Orchester, das sich gut behauptet, das eine Geschichte, ein Repertoire und eine echte Identität besitzt.

Wie hat diese Geschichte angefangen?

J.-M. A.: Ich war damals Dozent am Konservatorium von Toulouse und teilte meine Zeit zwischen Toulouse und Montauban auf. 1985 gründete ich zusammen mit einigen Freunden, die ebenfalls Dozenten am Konservatorium waren, ein kleines Vokalensemble. So entwickelte sich die Sache. Eins kam zum anderen, und wir wandten uns dem Barockrepertoire zu. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in den Fluren der Konservatorien von Toulouse Freunde anwarb und ihnen vorschlug, das Abenteuer zu wagen und „im Stil“ zu spielen, wie man damals sagte – also im Barockstil!

Warum gerade der Barock?

J.-M. A.: Das ergab sich ganz natürlich aus meinem Lieblingsinstrument, der Blockflöte, deren Blütezeit in der Renaissance und im Barock lag. Auch mein Studium der Chorleitung hatte mich zu diesem Repertoire geführt. Und dann war da noch Bach. Ich hatte seine Kantaten gesungen, die h-Moll-Messe … Diese Musik hat mich fasziniert und mir wirklich Lust gemacht, diesen Weg weiterzugehen.

Welche Momente aus diesen vierzig Jahren sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

J.-M. A.: Emotional gesehen bleibt einer der eindrücklichsten Momente die Matthäus-Passion, die wir im Jahr 2000 in der „Halle aux Grains“ in Toulouse aufgenommen haben – zum 250. Todestag von Johann Sebastian Bach, mit Chören aus der Region und Doppelorchester. Es war ein etwas verrücktes Projekt, und die Erinnerung daran ist so stark geblieben, dass sie mich anschließend dazu veranlasste, dem Orchester seinen heutigen Namen zu geben: Les Passions. Zuvor hieß das Ensemble Orchestre baroque de Montauban. Wir haben es 2003 in Les Passions umbenannt, als wir eine Fördervereinbarung mit der regionalen Kulturbehörde (DRAC) erhielten, die uns neue Mittel für unsere Entwicklung verschaffte. Den Untertitel Orchestre baroque de Montauban haben wir jedoch beibehalten – uns war wichtig, den Bezug zu unserer Heimatstadt zu bewahren.

J.-M. A.: Da gibt es viele. Ich denke an unsere Experimente mit dem Stimmton bereits in den 1990er Jahren – ich glaube, ich war einer der Ersten, der eine Fassung von Monteverdis Marienvesper (Vespro della Beata Vergine) im hohen Kammerton von 466 Hz vorgeschlagen hat – oder an ein Konzert beim Festival von Utrecht, das uns enorm beeindruckt hatte. Da sind auch die Aufnahmen. Unsere erste Aufnahme mit Isabelle Poulenard, die Scarlatti gewidmet war, bleibt mir als sehr bewegende Erinnerung. Ich freue mich auch sehr über unsere drei Einladungen zum Festival de La Chaise-Dieu, bei denen es um die Werke von Jean Gilles ging, einem Komponisten, dem ich tief verbunden bin und dem wir drei Aufnahmen gewidmet haben. Und dann würde ich natürlich unsere zahlreichen Reisen nach Südamerika nennen, insbesondere nach Bolivien.

Angel

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