Seit seiner Gründung in Berlin im Jahr 2005 durch Katharina Bäuml zeichnet sich das Ensemble Capella de la Torre vor allem durch seine Klangfarben aus: Schalmeien, Zinken, Posaunen, Dulziane, Lauten, Orgel und Schlaginstrumente lassen jene strahlende Klangwelt wieder aufleben, die vom 15. bis zum 17. Jahrhundert in den Kirchen ebenso wie auf den Plätzen, Balkonen und Türmen europäischer Städte erklang. In mehr als zwanzig Jahren Tätigkeit und mit einer besonders umfangreichen Diskografie hat das Ensemble sowohl Praetorius, Schütz, Monteverdi oder Cavalli als auch die vielfältigen Verbindungen zwischen Instrumental- und Vokalmusik erkundet. Capella de la Torre, die mehrfach mit den deutschen Preisen ECHO Klassik und OPUS Klassik ausgezeichnet wurde, insbesondere für „Serata Venexiana“ und „Monteverdi Memories“, verbindet Quellenforschung, spielerische Freiheit und den Willen, das heutige Publikum anzusprechen, mit Formen, die bewusst offen sind für Theater, Jazz, zeitgenössische Kompositionen oder neue Konzertformen.
„In der Alten Musik gibt es keine fertigen Zyklen; das ist zwar schade, auf der anderen Seite haben wir dadurch natürlich auch die Freiheit, selbst welche zu schaffen“, erklärt Katharina Bäuml, die Gründerin des Ensembles Capella de la Torre. „Zuerst gibt es tatsächlich die Geschichte oder ein Thema, dann überlege ich, welches musikalische Repertoire passt, und schließlich, wie man das alles zusammenbringt.“ Dabei handelt es sich um spannende Themen über historische Figuren, kulturgeschichtliche Hintergründe oder Lebensmomente. So wie bei den Programmen „Melancholia“, mit Musik aus der Zeit von Albrecht Dürer, „Die vier Elemente“, das in die Philosophie der Renaissance eintaucht, und „A musical Banquet“, ein multimediales und synästhetisches Projekt inklusive Weingenuss.
„So viel Forschung wie möglich, so viel Freiheit wie möglich – ich will kein Museum sein, sondern die Leute von heute ansprechen“, sagt Katharina Bäuml. Seit inzwischen 20 Jahren feiert sie mit ihrem Ensemble große Erfolge, in Deutschland ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen: 2016 mit dem ECHO Klassik als „bestes deutsches Ensemble“ sowie 2017 und 2018 mit dem OPUS Klassik für zwei CDs. Dazu kommen Konzerte auf Festivals und Tourneen in ganz Europa. Und das mit Musik aus einer wirklich fernen Zeit, auf Instrumenten, die sonst eher im Verdacht stehen zu quietschen und zu schnarren, bei schmerzhaft schwankender Intonation.
Power Female Art: Alte Musik trifft auf weibliche Energie
Ein programmatisches Konzept steht auch hinter der neuen Reihe „Power Female Art“, über prägende Frauen der Renaissance. Sie sind Herrscherinnen, Mütter, Musen oder Mäzeninnen, aber oft auch selbst künstlerisch tätig, meistens allerdings unter wesentlich schwierigeren Bedingungen als ihre männlichen Zeitgenossen. „Ich wollte diesen weiblichen Blick ein bisschen weiter aufbauen“, erklärt Katharina Bäuml, „das Inhaltliche, die Exzellenz dieser weiblichen Protagonistinnen zeigen. Das sind dann historische Figuren wie Elisabeth I., aber auch Werke, die Frauen gewidmet sind. Und es stellt sich die Frage, inwiefern wurde dadurch auch ein neues Denken angeregt?“
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