Olivier Fortin & Emmanuel Frankenberg

Konzertierende Cembali

→Mit „Clavecins concertants“ übertragen Olivier Fortin und Emmanuel Frankenberg eine ganze Welt des französischen Orchestertheaters auf zwei Cembali – von Lully bis Rameau, über Marais, d’Anglebert, Chambonnières, Lebègue und Forqueray. Ouvertüren, Chaconnen, Tanzsätze und berühmte Einzelstücke gewinnen in dieser Besetzung neue Weite: Die beiden Instrumente treten nicht nur miteinander in Dialog, sondern entwerfen gemeinsam die Farben, Schichtungen und die Energie eines Barockorchesters neu.

Konzertierende Cembali
© Alpha Classics

Das bei Alpha Classics erschienene Programm knüpft an eine im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete Praxis an: Musik aus der Oper wurde für Tasteninstrumente bearbeitet, damit sie in Salons oder im häuslichen Rahmen erneut gespielt werden konnte. Olivier Fortin und Emmanuel Frankenberg beschränken sich dabei jedoch nicht auf die Wiedergabe historischer Reduktionen. Die meisten Arrangements stammen von ihnen selbst; zugleich entwerfen sie einen freien Streifzug durch das französische Repertoire, in dem Bühnenwerke neben Stücken stehen, die ursprünglich für Cembalo oder Gambe gedacht waren.

Das Album beginnt mit einem Prélude, gefolgt von Chambonnières’ Gigue, der Ouvertüre zu Lullys Cadmus et Hermione, Werken von d’Anglebert und Lebègue sowie mehreren Bearbeitungen von Marin Marais. Einen Schwerpunkt des Programms bildet Alcione mit seiner Ouvertüre, der weit ausgreifenden Chaconne und den Airs pour les matelots. Rameau ist unter anderem mit Les Sauvages vertreten, einem Stück, das durch seine Übertragung vom Cembalo auf das Orchester in Les Indes galantes berühmt wurde und hier wieder näher an den orchestralen Reichtum seiner Bühnenfassung heranrückt. Nach 53 Minuten eines fortwährenden Spiels mit den Übergängen zwischen Tasteninstrument, Tanz und Theater endet der Parcours mit der Chaconne aus Lullys Phaëton.

Der besondere Reiz des Albums liegt vor allem darin, wie die beiden Interpreten die Möglichkeiten ihrer Besetzung ausschöpfen. Wo ein einzelnes Cembalo das musikalische Material zwangsläufig verdichtet, vervielfachen zwei Instrumente die Ebenen, Register und Klangmassen. Die Musiker berichten, sie hätten lange gesucht, ausprobiert und das Programm immer wieder neu zusammengesetzt, um herauszufinden, was für sie als Duo am natürlichsten klingt: „Ein Cembalo klingt wie ein Cembalo, aber zwei Cembali klingen wie vier“, fassen sie es zusammen. Dieser Satz trifft den Geist der Aufnahme genau: Es geht nicht darum, ein Orchester nachzuahmen, sondern eine andere Form instrumentalen Theaters zu erfinden – zwischen der Präzision des Tasteninstruments und dem Glanz der Bühne.

Aufgenommen wurde Clavecins concertants im belgischen Sint-Truiden, im Beginenhof Sainte-Agnès. Das Album vereint siebzehn Titel aus dem französischen Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts. Indem Olivier Fortin und Emmanuel Frankenberg der Bearbeitung ihre ursprüngliche Funktion als Medium der Weitergabe und Verwandlung zurückgeben, erinnern sie daran, dass die Barockmusik stets von einem Instrument zum anderen, vom Theater in den Salon und vom Orchester auf das Tasteninstrument wanderte.