Antonio Domenico Nola, 1642 in Nola geboren, bleibt eine schwer zu fassende Komponistenpersönlichkeit, da nur wenige Dokumente über sein Leben erhalten sind. Im Alter von zehn Jahren trat er in das Conservatorio della Pietà dei Turchini ein, wo er Schüler Giovanni Salvatores wurde. 1670 wurde er Organist am Dom von Neapel und wirkte zugleich am Oratorium der Girolamini. Heute werden ihm rund sechshundert Werke zugeschrieben, deren Besetzungen von zwei Stimmen bis zu vier Chören mit Instrumenten und Basso continuo reichen. In den Musikarchiven der Girolamini entdeckte Giovanni Acciai diese Motetti pastorali wieder, die hier von Nova Ars Cantandi mit Ivana Valotti an der Orgel für das Label Da Vinci Classics eingespielt wurden.
Der für die Feiern am Heiligabend und am Weihnachtstag bestimmte Zyklus umfasst rund dreißig Stücke, die in sieben Teile gegliedert sind. Die lateinischen Texte stammen vor allem aus der Bibel, dem Lukasevangelium und der Weihnachtsliturgie; hinzu kommen einige anonyme Passagen. Ihre Anordnung ergibt einen echten dramatischen Handlungsbogen: Kurze solistische, dem Rezitativ angenäherte Abschnitte wechseln mit Trios und Quartetten, die teils homorhythmisch, teils polyphon gestaltet sind. Durch diese erzählerische Kontinuität nähert sich das Werk dem lateinischen Oratorium an, wie es in den Oratorianerkongregationen von Rom und Neapel gepflegt wurde.
Die Originalität des Werks liegt auch in der Verbindung kontrapunktischer Kunstfertigkeit mit der Klangwelt der neapolitanischen Weihnacht. Nola beschwört den Klang von Dudelsäcken herauf und lässt Melodien aus der volkstümlichen Tradition hervortreten, eingebettet in eine Schreibweise, die stets darauf bedacht ist, Sinn und Emotion des geistlichen Textes auszudrücken. Je nach Verlauf der Erzählung vereinen sich die Stimmen, antworten einander oder treten einzeln hervor – in einer Musik, deren kontrapunktische Virtuosität immer im Dienst des Ausdrucks steht.
Diese erste Aufführung in neuerer Zeit versteht sich daher nicht als bloße Wiederentdeckung einer archivalischen Kuriosität. Sie bringt ein Werk zurück ins Repertoire, das als weit ausgreifendes Fresko der Geburt Christi angelegt ist, an der Schnittstelle von Liturgie, Erzählung und den vertrauten Klängen Neapels. Auf der Aufnahme sind die vier Sänger Alessandro Carmignani, Andrea Arrivabene, Gian Luca Ferrarini und Marcello Vargetto zu hören.



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