Gotham Early Music Scene

GEMS: Das unscheinbare New Yorker Ökosystem, das die amerikanische Alte Musik fördert 

→In New York macht GEMS („Juwelen“) seinem Namen alle Ehre: Seit 2007 hilft diese unauffällige, aber unverzichtbare Einrichtung jungen Ensembles für Alte Musik dabei zu wachsen, Finanzmittel zu beschaffen, Konzerte zu organisieren und ein Publikum zu gewinnen. John Thiessen leitete GEMS von 2022 bis vor Kurzem als Executive Director. Während die Organisation unter neuer Führung ein neues Kapitel aufschlägt, blickt der aus Kanada stammende Musiker darauf zurück, wie GEMS zu einer der treibenden Kräfte der amerikanischen Alte-Musik-Szene geworden ist.

GEMS: Das unscheinbare New Yorker Ökosystem, das die amerikanische Alte Musik fördert 
RELIC, ein von GEMS unterstütztes Kammerorchester auf historischen Instrumenten, gehört zu den Ensembles, die zur Lebendigkeit der New Yorker Alte-Musik-Szene beitragen. © John Lacko / RELIC / Gotham Early Music Scene

Die Gotham Early Music Scene (GEMS) wurde 2007 gegründet, um die Alte Musik bekannter zu machen und ihr einen stärkeren Platz im kulturellen Leben New Yorks zu verschaffen. Seitdem hat sie sich als eine der Säulen der lokalen Szene der amerikanischen Metropole etabliert. Die Organisation trägt zudem dazu bei, die Qualität, Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit der Künstler und Ensembles zu stärken, die dieses Repertoire am Leben erhalten. Heute bereitet sich die Organisation darauf vor, ihren neuen Executive Director Dominic Giardino zu begrüßen, nachdem Gründer Gene Murrow die Leitung in den vergangenen Monaten interimistisch übernommen hatte. Kurz bevor John Thiessen sein Amt niederlegte und ein neues Kapitel seiner Laufbahn aufschlug, sprach er mit Total Baroque Magazine. Als profilierter Barockmusiker, Dozent an der renommierten Juilliard School und vom New York Times einst als „der Goldstandard des Barocktrompetenspiels in diesem Land“ bezeichnet, blickt er auf seine vier Jahre an der Spitze der Organisation zurück und erklärt, warum diese einzigartige Struktur für die Vitalität — ja vielleicht sogar für das Überleben — der Alten Musik in den Vereinigten Staaten unverzichtbar ist. 

Wie wurde die Gotham Early Music Scene gegründet? 

John Thiessen: GEMS wurde von Gene Murrow gegründet. Nach Mathematikabschlüssen an der Columbia University und in Harvard sowie einem parallel absolvierten Oboenstudium an der Juilliard School wurde er Präsident zweier erfolgreicher Unternehmen, die sich auf den Verkauf von Computern spezialisiert hatten. Nach seiner Pensionierung wollte er dazu beitragen, New York zu einem weltweiten Zentrum für Alte Musik zu machen, und rief daher diese gemeinnützige Organisation ins Leben. Er ging auf die Musiker zu und fragte sie: „Was braucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Wir brauchen Arbeit!“ Da sagte er: „Lasst uns zusammenkommen!“ In New York gab es bereits eine rege Szene rund um die Alte Musik, doch sie war nie besonders gut finanziert worden. GEMS wurde zu einer Art Zufluchtsort, an dem Ensembles wachsen können. Die Organisation begann sich um 2011 herum wirklich zu entfalten, als die Juilliard School ihr Programm für historische Aufführungspraxis startete und die Trinity Church eine große Reihe von Bachkantaten auflegte. Bei diesen habe ich das Orchester dirigiert und oft auf die ersten Absolventen des Juilliard Programms zurückgegriffen. 

GEMS ist also eine Art Inkubator? 

J. T.: Ja, in gewisser Weise. Die Idee ist es, mit Musikern und kleinen Ensembles zusammenzuarbeiten. Die Organisation begleitet sie so lange, bis sie auf eigenen Beinen stehen und sich schließlich selbst zu gemeinnützigen Einrichtungen entwickeln können. Bis dahin hilft GEMS ihnen bei der Mittelbeschaffung und übernimmt sämtliche administrativen Aufgaben. In diesem Jahr stehen einige Gruppen meiner Meinung nach kurz davor, diesen entscheidenden Schritt zu vollziehen! Natürlich wünsche ich ihnen dabei alles Gute. 

Man hat den Eindruck, dass GEMS die Dienstleistungsorganisation schlechthin für Alte Musik ist. Das kostbare Juwel in der kulturellen Krone New Yorks, das seinem Namen alle Ehre macht [„gem“ bedeutet auf Englisch „Juwel“]! 

J. T.: Diese Rolle zeigt sich ganz konkret in der Verbindung, die zwischen GEMS und der Abteilung für historische Aufführungspraxis an der Juilliard School entstanden ist, an der ich unterrichte. Viele junge Musiker gründen dort ihre ersten Ensembles und wenden sich dann an uns, um von administrativer, steuerlicher und professioneller Unterstützung zu profitieren. Wenn ich zur Juilliard School gehe, um dort zu unterrichten, komme ich an einem Plakat vorbei, das die Musiker des allerersten Jahrgangs des Fachbereichs bei einem Studentenkonzert zeigt. Viele dieser jungen Virtuosen leiten heute ihre eigenen Ensembles. Für mich beweist dies den Einfluss von GEMS im Zusammenspiel mit der Juilliard School, den Spendern, den Förderern und dem New Yorker Publikum: Es ist ein ganzes Ökosystem, das es einer neuen Generation von Künstlern ermöglicht, ihre Flügel auszubreiten. 

Angel

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