Ein fast vergessenes Kapitel des deutschen Frühbarock kehrt an seinen Entstehungsort zurück. Am 27. September erlebt Daniel Bollius’ (ca. 1585–1638) Repraesentatio harmonica conceptionis et nativitatis S. Joannis Baptistae im Landesmuseum Mainz seine vollständige Wiederaufführung.
Bollius, seit den 1620er Jahren Komponist am Mainzer Hof, schuf diese Darstellung der Empfängnis und Geburt Johannes des Täufers zum Geburtstag des Kurfürsten und Erzbischofs Johann Schweikhard von Cronberg, dessen Todestag sich 2026 zum 400. Mal jährt. Besonders bemerkenswert ist das Werk, weil es den neuen monodischen Stil aus Italien aufgreift und damit zu den frühesten Oratoriumsversuchen nördlich der Alpen zählt, zeitgleich mit Heinrich Schütz’ Historien in Dresden.
Vorbereitet wurde die Wiederaufführung vom Musikwissenschaftler Klaus Pietschmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und dem Dirigenten Johannes Herres, der die musikalische Leitung übernimmt. Die Solisten Theresa Klose, Fabian Kelly und Matthias Lutze, das Vokalensemble Enona und Plectrum musicum auf historischen Instrumenten erwecken diese höfische Musik zu neuem Leben. Einige Ausschnitte sind bereits am 25. September in Aschaffenburg zu hören und erinnern an die engen Verbindungen, die beide Städte damals miteinander verbanden.
Vor allem zeigt diese Wiederentdeckung, wie rasch die neuen musikalischen Sprachen aus Italien die deutschen Höfe erreichten: Bollius gehörte zu den ersten deutschen Komponisten, die den italienischen konzertierenden Stil entschieden aufgriffen, und seine auf dem Prinzip der Monodie beruhende Repraesentatio zählt zu den frühesten bekannten Oratoriumsversuchen nördlich der Alpen.


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