Von den Pionieren der historisch informierten Aufführungspraxis in den 1950er-Jahren bis zu millionenfach geklickten Barockvideos auf YouTube: Beim Bayerischen Rundfunk hat die Alte Musik längst ihren festen Platz gefunden. Am 19. Juni bündeln das Musikfest ION und BR-KLASSIK mit der „Großen Nürnberger Musiknacht“ ihre Kräfte für ein Ereignis, das weit über die klassische Konzertszene hinausstrahlen soll. Im Gespräch mit dem Total Baroque Magazine erzählt Thorsten Preuß, Redakteur für Alte Musik und stellvertretender Leiter der Musikredaktion im Studio Nürnberg, von den Ursprüngen der Alten Musik und des Barock beim BR. Er berichtet über die legendäre, vor über 70 Jahren ins Leben gerufene Sendung „Tafel-Confect“, spricht über digitale Strategien sowie neue Podcast-Kooperationen und verrät, warum Nordbayern heute zu den spannendsten Zentren der Alten Musik gehört.
Beginnen wir mit der „Großen Nürnberger Musiknacht von BR-KLASSIK und Musikfest ION“ am 19. Juni. Was genau verbirgt sich hinter diesem Projekt?
Thorsten Preuß: Am 19. Juni verwandelt sich Nürnberg für einen Abend in eine Stadt der Alten Musik. Zwischen 19:00 Uhr und 23:30 Uhr finden drei Konzerte an drei historischen Orten statt. In der mittelalterlichen Sebalduskirche werden Bach-Kantaten mit Solomon’s Knot aufgeführt. Im historischen Rathaussaal singt Maayan Licht mit dem {Oh!} Orkiestra unter der Leitung von Martyna Pastuszka ein barockes Arienprogramm. Und in der barocken Kirche St. Egidien präsentiert das Vokalensemble Chanticleer ein Programm, das von Renaissance-Musik bis zu Weltmusik reicht.Das Besondere ist die Bewegung des Publikums. Die Besucher flanieren zwischen den Konzertorten durch die Altstadt. Dadurch entsteht ein Festivalgefühl in der ganzen Stadt. Gleichzeitig übertragen wir den gesamten Abend live im Radio auf BR-KLASSIK. Zusätzlich gibt es drei Videostreams auf YouTube. Damit wird dieses Ereignis weit über Nürnberg hinaus sichtbar…
… und Total Baroque Magazine wird diese drei Konzerte auch live streamen auf unserer Website und auf unserem Youtube Kanal Total Baroque ! Es geht also nicht nur um Konzerte, sondern um ein kulturelles Statement?
T. P. : Ganz genau. Wir wollen die Alte Musik bewusst aus dem klassischen Konzertsaal heraus ins öffentliche Leben tragen. Die Menschen sollen spüren, dass in Nürnberg etwas Besonderes passiert. Es wird eine Festival-Lounge im Innenhof des Rathauses geben, von der aus wir moderieren. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, das Publikum zu begrüßen. Das zeigt natürlich auch die symbolische Bedeutung des Projekts. Uns geht es darum, Alte Musik ins Schaufenster zu stellen und neue Zielgruppen dafür zu begeistern. Gerade in Nürnberg, mit seiner historischen Altstadt und seiner kulturellen Tradition, funktioniert das hervorragend.

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