Ars Antiqua Austria & Gunar Letzbor

Missa Solemnis (Aumann): “Man spürt in Aumanns Schaffen die Pracht der barocken Architektur“ 

→Aufgenommen in der Basilika von St. Florian, findet Franz Joseph Aumanns Missa Solemnis unter den Bögen von Ars Antiqua Austria zu ihrem ursprünglichen Klang zurück. 

Missa Solemnis (Aumann): “Man spürt in Aumanns Schaffen die Pracht der barocken Architektur“ 
© Accent

Als weitgehend vergessene Figur des österreichischen Spätbarock tritt Franz Joseph Aumann hier ans Licht – dank Gunar Letzbor und seinem Ensemble Ars Antiqua Austria, in Zusammenarbeit mit den St. Florianer Sängerknaben. Eingespielt in der Abtei, in der das Werk einst entstand und erklang, besticht diese Missa Solemnis durch ihre klangliche Intensität, ihre liturgische Verankerung und die Feinheit ihrer Komposition. Ein Gespräch mit einem leidenschaftlichen Dirigenten, der einer vergessenen Tradition neues Leben einhaucht.

Franz Joseph Aumanns Missa Solemnis ist ein ziemlich unbekanntes Werk. Was hat Sie inspiriert, diese Messe auf CD aufzunehmen? 

Gunar Letzbor: Ich bin seit fast 30 Jahren ständiger Gast im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian. Mit dem Ensemble Ars Antiqua Austria veranstalten wir dort eine Konzertreihe und nehmen regelmäßig CDs auf. Die Zusammenarbeit mit den St. Florianer Sängerknaben hat uns dabei immer sehr inspiriert und wir musizieren mit diesen Knaben regelmäßig. Und Franz Josef Aumann ist ein Ausnahmekomponist. Er war selbst Augustiner-Chorherr und hat daher ausschließlich Musik für den Gebrauch im Kloster geschaffen. Seine Kirchen- und Kammermusik ist weit verbreitet, in ganz Mitteleuropa, und die Qualität dieser Musik und ihr persönlicher Stil sind außergewöhnlich. Noch im 19. Jahrhundert wurden Aumanns Kompositionen regelmäßig aufgeführt, auch AntonWa Bruckner ließ sich von ihm als Sängerknabe im Stift St. Florian inspirieren. 

Welchen besonderen Herausforderungen begegneten Sie bei der Vorbereitung und während dieser Aufnahme im Hinblick auf die Interpretation, die historische Aufführungspraxis? 

G. L.: Es sind bei diesen Projekten immer die Sängerknaben, die den Ton angeben. Seit den 70erjahren hat man versucht, alte Instrumente zu rekonstruieren, aber dabei wurde hauptsächlich auf bautechnische Details Wert gelegt. So wurden auch einige Behauptungen aufgestellt, die — obwohl manchmal nicht richtig — zu Merkmalen alter Instrumente geworden sind. Dagegen fehlte fast jeder Ansatz, auf die Spuren des Klanges in der Barockzeit zu kommen. Es wäre aber ja so einfach: Die Hauptaufgabe der Violinen war damals, colla parte mit den Knaben in der Kirche zu musizieren. Dabei mussten sie sich mit den Knabenstimmen und auch mit den Registern der Orgel optimal mischen, und erst als der Violinklang soave war, wurde das Mitwirken der Streichinstrumente in der Kirchenmusik gestattet. Erst dann traten die Streichinstrumente also ihren Siegeszug in der Instrumentalmusik an. Es wäre also unsere Aufgabe, diesen Soaveklang am Instrument wieder zu finden. Jede Gelegenheit, mit den Knaben aus St. Florian zu musizieren, ist für uns daher eine Option, diesem Klang näher zu kommen. 

Was würden Sie sich wünschen, sollen die Hörer von dieser Neuentdeckung mitnehmen? Was finden Sie besonders gelungen, an dieser Aufnahme? 

G. L.: Es sind viele großartigen Momente in dieser tiefkatholischen Kirchenmusik. Besonders gelungen finde ich, dass der prächtige Klang in der großen Basilika auch auf der Aufnahme eingefangen wurde: Es klingt auf der CD wirklich so, wie man es auch vor Ort gehört hat. Mich begeistert auch, dass wir neben der prächtigen Messe auch ein Kammermusikstück für diese Aufnahme einspielen konnten, das die andere Seite von Aumanns Schaffen zeigt — und einen größeren Kontrast kann man sich eigentlich nicht vorstellen: In seiner Kammermusik ist Aumann sehr bodenständig, er lässt die Volksmusik des Landes ob der Enns — das heutige Oberösterreich — in seine Kompositionen einfließen. Sehr gewandt lässt er aber auch ganz reizende und kunstvolle Klangbilder entstehen, die die Volksmusik in höhere Sphären erheben. Irgendwie spürt man in Aumanns Schaffen die Pracht der barocken Architektur des Stiftes, und ebenso die erdverbundene und gleichzeitig hochgebildete Kultur seiner Bewohner, der Augustiner-Chorherren. 

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Letzbor erzeugt starke dynamische Kontraste, die den festlichen Charakter dieser Messe unterstreichen. Das Instrumentalensemble ist hervorragend und die Leistungen der Trompeter verdienen ein besonderes Lob. […] Es wird wirklich nie langweilig in Aumanns Musik, weder in seinen vokalen noch in seinen instrumentalen Werken. Gunar Letzbor ist ein begeisterter Verfechter seines Werks – und das zu Recht. Das hat zu einigen sehr guten Aufnahmen geführt, und ich hoffe, dass er seine Erkundung von Aumanns Werk fortsetzt.

Johan van Veen, MusicWeb