Mandol’in Marseille & Vincent Beer-Demander

Marseille, die wiederentdeckte Hauptstadt der Mandoline 

→Vom 30. Juni bis zum 6. Juli kehrt Mandol’in Marseille für eine 6. Ausgabe zurück, die ganz im Zeichen Vladimir Cosmas steht. An der Spitze des Festivals setzt Vincent Beer-Demander sein engagiertes Werk fort: Marseille seine Mandolinen-Geschichte zurückzugeben, Kulturerbe, Kreativität und Weitergabe in Dialog zu bringen und zu zeigen, dass ein lange verkanntes Instrument wieder zu einem lebendigen musikalischen Labor werden kann. 

Marseille, die wiederentdeckte Hauptstadt der Mandoline 
Vincent Beer-Demander und Vladimir Cosma an der Mandoline © DE

Vom 30. Juni bis zum 6. Juli 2026 kehrt Mandol’in Marseille für eine 6. Ausgabe zurück, die ganz im Zeichen des französisch-rumänischen Komponisten Vladimir Cosma steht, dem Ehrengast eines Festivals, das die Mandoline vom Barock bis zur zeitgenössischen Komposition entfaltet, über die Filmmusik und das Amateurmusizieren hinweg. An seiner Spitze führt Vincent Beer-Demander eine einzigartige Marseiller Geschichte fort: die einer Stadt, in der 1921 auf Initiative des italienisch-französischen Mandolinisten Laurent Fantauzzi (1872–1941) die erste französische Mandolinenklasse am Conservatoire national de musique der Stadt entstand. Als Professor am Conservatoire Pierre Barbizet in Marseille und am Königlichen Konservatorium in Lüttich, als Konzertmusiker und Komponist blickt Vincent Beer-Demander auf die Renaissance des Instruments, seine Rolle in der Barockmusik, auf Bach auf der Mandola und auf die Notwendigkeit, Kulturerbe, Pädagogik, kreatives Schaffen und Volksfest miteinander in Dialog zu bringen. 

Welchen Platz nimmt die Mandoline in der Barockmusik ein? 

Vincent Beer-Demander: Die Mandoline hat dort ihren festen Platz. Sie gehört zur Familie der Lauten und reiht sich seit dem 17. Jahrhundert in eine größere Geschichte der Zupfinstrumente ein. Der Sänger und Lautenist des 17. Jahrhunderts François de Chancy spielte die Mandora, ein verwandtes Instrument und direkter Vorläufer der modernen Mandoline. Diese wird im 18. Jahrhundert zu einem beim Adel sehr geschätzten Instrument, dank ihrer Eleganz und ihres anmutigen Charakters. Man findet damals reich verzierte Mandolinen, geschmückt mit Perlmutt, Silber, Gold, Elfenbein oder Ebenholz. Die Figur der „Frau mit der Mandoline“ wird sogar zu einem wiederkehrenden Motiv in der Ikonographie jener Zeit – ein Zeichen dafür, dass das Instrument auch zu einer Kultur der Verfeinerung, des Salons und der musikalischen Intimität gehört. Das solistische Repertoire der Mandoline beginnt seinerseits um 1700 mit den ersten Sonaten. Das Instrument erlebt anschließend ein wahres goldenes Zeitalter zwischen 1750 und 1790, vor allem in Italien und Frankreich. Als Mozart 1787 Don Giovanni schreibt, greift er eine Tradition auf, die bereits seit fast einem Jahrhundert besteht: die der Mandolinen-Serenade in Opern, Kantaten oder Oratorien. Mozart wird das Instrument darin zur Vollendung bringen. Auch Scarlatti und Händel setzen es ein, später dann Paganini. Nahezu hundert Mandolinenkonzerte werden komponiert, hinzu kommen zahlreiche Werke mehr oder weniger bekannter Komponisten. Ich selbst habe nach alten Partituren gesucht, rund zehn interessanter, für die Mandoline geschriebener Sonaten gesichtet, ediert und wieder in Umlauf gebracht. Ich habe die sechs Sonaten von Scarlatti herausgegeben sowie die zwölf Sonaten von Gabriel Leone, einem großen Mandolinisten des 18. Jahrhunderts, der die Spieltechnik des Instruments wirklich zu ihrem Höhepunkt geführt hat. Derzeit arbeite ich außerdem an der Edition von Stücken Vivaldis. 

Angel

Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?

Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.

Abonnieren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.

Ich melde mich an