Händel-Festspiele in Halle: Neuer Intendant, neuer Schwung?

→Florian Amort, 2025 zum Künstlerischen Leiter der Händel-Festspiele Halle ernannt, leitet zugleich das Händel-Haus, das Museum im Geburtshaus des Komponisten. Mit seiner ersten Programmgestaltung, die das Festival vom 5. bis 14. Juni unter das Motto „Mannsbilder: Helden, Herrscher, Herzensbrecher“ stellt, will der 34-jährige Musikwissenschaftler und Dramaturg dem traditionsreichen Fest der Alten Musik einen frischen Impuls verleihen.

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Händel-Festspiele in Halle: Neuer Intendant, neuer Schwung?
Der Musikwissenschaftler und Dramatiker Florian Amort, neuer Leiter des Festivals, bei der Vorstellung der Ausgabe 2026 © Anna Kolata

In einem Deutschland, in dem Barockfestivals nach Wegen suchen, ihr Publikum zu erneuern, treten die Händel-Festspiele Halle in einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte ein. Vor mehr als hundert Jahren in der Geburtsstadt des Komponisten gegründet, eröffnet dieses emblematische Ereignis der Alten Musik im Jahr 2026 unter der Leitung des 34-jährigen Florian Amort ein neues Kapitel, nachdem sein früherer Leiter Bernd Feuchtner plötzlich verstorben ist. Als Musikwissenschaftler, Dramaturg und ehemaliger Chefdramaturg der Bregenzer Festspiele strebt der junge Direktor danach, Händels Welt mit zeitgenössischen Debatten ins Gespräch zu bringen, ohne dabei auf die spektakuläre und nahbare Dimension des Barocktheaters zu verzichten. Vom 5. bis 14. Juni 2026 werden mehr als achtzig Veranstaltungen Halle und seine bedeutenden Kulturstätten unter dem Motto „Mannsbilder“ beleben: Helden, Herrscher und Herzensbrecher, eine weitreichende Reflexion über die Darstellung von Männlichkeit in der Barockoper wie in unseren heutigen Gesellschaften. Zu den großen Opernproduktionen, darunter ein neuer Rinaldo in der Inszenierung von Walter Sutcliffe, gesellen sich Konzerte, spartenübergreifende Uraufführungen, Stadtrundgänge, Begegnungen und Formate hinzu, die einem neuen Publikum offenstehen. Seinem internationalen Profil treu bleibend, versammelt das Festival mehrere herausragende Protagonisten des Barock: von Magdalena Kožená über Andrea Marcon bis hin zu Max Emanuel Cencic, Bruno de Sá und Valer Sabadus. Doch jenseits dieses glänzenden Programms scheint es die Idee eines offeneren, urbaneren und experimentierfreudigeren Festivals zu sein, in der sich Florian Amorts Handschrift zeigt. Eine Erinnerung daran, dass Händel in Halle nicht nur der Geschichte angehört: Sein Werk bleibt ein lebendiges Theater, durchzogen von den Fragen unserer Zeit. 

Bis zur Pandemie dauerten die Händel-Festspiele unter der Leitung von Clemens Birnbaum immer mehr als zwei Wochen. Jetzt sind sie wesentlich kürzer. Warum? 

Florian Amort: Mit dem bestehenden Etat ist es durch die Teuerungsschübe seit der Pandemie extrem schwierig, den früher umfangreicheren Zeitraum durchgängig mit der Qualität und Dichte zu füllen, die dem Festival angemessen sind. In den letzten Jahren gab es in der Wochenmitte immer einige Tage mit weniger Veranstaltungen. Nun jagt ein Highlight das nächste. So bietet die verkürzte Laufzeit sogar Vorteile. Mehr Gäste bleiben über mehrere Tage in Halle und werden damit mehr Veranstaltungen besuchen. Wir können so das Heraustreten aus dem Alltag besser gewährleisten. In Halle werden derzeit zwei weitere große Hotels gebaut, was gleichermaßen wichtig für die gastierenden Ensembles und das anreisende Publikum ist. Außerdem werden die Händel-Festspiele durch die Verkürzung auch für die Stadtgesellschaft intensiver als Festzeit erfahrbar. 

Welche Möglichkeiten sehen Sie neben den üblichen Pädagogik- und Vermittlungsmodellen für die Verbreitung vor Ort als besonders wichtig? 

F.A.: Die Dreiheit von exemplarischen Aufführungen, Raritäten und kreativer Verzahnung mit der Stadtgesellschaft liegt mir nicht nur am Herzen, weil diese Parallelgewichtung für unsere Anerkennung und damit den Fortbestand wichtig ist. Wir haben etwa eine Playmobil-Figur von Händel entwickelt, die gleichzeitig unseren Anlass in nicht-affinen Gruppen bekannt macht. Passend dazu zeigen wir eine Playmobilinszenierung von Händels Rodelinda. Und bei so einem Motto möchte ich das Potenzial zu aktuellen Themen und dem Lebensgefühl der Gegenwart verdichten. Zum Beispiel zeigen wir in einer queeren Filmreihe den zum Ende der DDR entstandenen ikonischen Film „Coming out“. Solche Verbindungen gefallen mir, weil ein direkter politisch-historischer Bezug einfließt, der gleichzeitig die Mitte der Gesellschaft und Subkulturen berührt. Gleichzeitig leisten wir eine kulturgeschichtliche Annäherung zur Händel-Zeit. Stimme, Körper, Geschlecht wurden damals viel mehr in einem sozialen Kontext wahrgenommen. 

BRIDGES, das große Open-Air-Konzert der Händel-Festspiele Halle, bringt Händels Welt mit Pop, elektronischer Musik und weiteren Genres ins Gespräch, bevor das traditionelle Feuerwerk den Abend beschließt. © 2024, Thomas Ziegler
Angel

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