Das Bayerische Jugend-Barockorchester

Junge Musiker, historische Instrumente

→Spezielle Auswahlorchester für Jugendliche sind heute — zum Glück — in vielen Ländern der Erde eher die Regel als die Ausnahme. Nicht aber — leider — wenn es um Alte Instrumente geht. Hier ist das Bayerische Jugend-Barockorchester, das dieses Jahr seinen 10. Geburtstag feiert, noch immer eine auch internationale Besonderheit …

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Junge Musiker, historische Instrumente
"Die wollten alle von Anfang an die barocken Instrumente spielen und auch nicht mehr hergeben!" © Bayerisches Jugend-Barockorchester

Es ist eigentlich erstaunlich: Obgleich sich die historische Aufführungspraxis während der letzten 50 Jahre recht flächendeckend etabliert hat, selbst eingefleischteste Symphonieorchester sich ab und an einen Barockcoach ins Haus holen und auch Opern- und Konzerthäuser mit 5.000 Plätzen nicht mehr allzu entsetzt vor Produktionen mit authentischem Instrumentarium zurückschrecken, sieht es doch im Bereich der Kinder— und Jugendorchester noch immer erschreckend mau aus. Zwar leisten sich die meisten Musikhochschulen inzwischen zumindest projektweise ein Barockorchester, existieren die einen oder anderen Initiativen von Festivals oder Kulturorganisationen — doch die richten sich stets an Musikstudenten oder junge Profimusiker; kaum mal an Kinder, an Schüler. Doch woher soll der Nachwuchs im Alte Musik-Bereich kommen, wenn junge Menschen erst mit Aufnahme eines Studiums die Chance haben, in entsprechenden Ensembles zu spielen oder gar erstmals ein barockes Instrument in die Hand zu bekommen? Das Bayerische Jugend-Barockorchester (BayJuBa) ist eines der europaweit ganz wenigen Beispiele, in dem dies möglich ist, in dem Jugendliche zwischen zwölf und Anfang zwanzig musizieren: ein leuchtendes Beispiel — organisiert mit sehr viel Einsatz und Herzblut.

Katharina Bechthold, 22 Jahre alt, kam vor acht Jahren zum Bayuba, über ihren Geigenlehrer, der sie fragte, ob sie nicht einmal Lust habe, sich am historischen Instrument auszuprobieren. »Ich wusste davor noch gar nicht, dass es Barockmusik, Barockinstrumente gibt. Denn wenn man das nicht studiert, was ich jetzt nicht mache, gibt es nicht viele Möglichkeiten, Barockmusik im Orchester auf so einem hohen Niveau zu spielen — oder überhaupt zu spielen. Dann bin ich hingegangen und es hat mir total Spaß gemacht, also bin ich dabei geblieben.« Nicht nur beim Orchester, sondern auch beim barocken Instrument, übrigens.

Und das, sagt Friederike Heumann, Professorin für Viola da gamba an der Hochschule für Musik Würzburg und eine der Mitinitiatorinnen und regelmäßigen Dozentinnen des Bayuba, sei anfangs für das ganze Team eine Überraschung gewesen: »Wir hatten zwar für unsere ersten Arbeitsphasen so viele historische, darmbesaitete Instrumente wie möglich ausgeliehen, waren aber davon ausgegangen, dass die Kinder und Jugendlichen doch erstmal auf ihren modernen Instrumenten spielen wollen — und dann ist man vielleicht mal ganz mutig und nimmt so ein Darmsaiteninstrument mal in die Hand … Aber falsch! Die wollten alle von Anfang an die barocken Instrumente spielen und auch nicht mehr hergeben!«

Angefangen hatte diese Erfolgsgeschichte eigentlich mit einem Kurs „Historische Aufführungspraxis für Jugendliche“ im Herbst 2014 in der Bayerischen Musikakademie Alteglofsheim, organisiert vom Verein Le Nuove Musiche e.V. und dessen Vorsitzendem Ralf Jaensch, der beispielsweise auch das Alte Musik-Festival Residenzwoche München mitorganisiert Und die Teilnehmer dieses Kurses waren so begeistert von dem Spiel mit den — für sie neuen — alten Instrumenten, dass im Februar 2015 das Bayerische Jugend-Barockorchester gegründet wurde.

Angel

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