In dieser neuen Aufnahme für das Label Paraty tut sich der Cembalist Paolo Zanzu mit der Geigerin Liv Heym und dem Gambisten Christophe Coin zusammen, um die sechs Sonaten von Bach in einem Geist lebhafter Erkundung neu zu interpretieren. Diverse Instrumente, vielfältige Texturen und Leidenschaft für Details: Er blickt zurück auf dieses Projekt, das aus Erinnerungen und musikalischen Intuitionen gewoben ist.
Was hat Sie dazu bewogen, diesen Sonatenzyklus aufzunehmen?
Paolo Zanzu: Als Kind habe ich diese Sonaten erstmal oft in der Interpretation von Glenn Gould und Jaime Laredo gehört. Als Teenager spielte ich Klavier und Geige, und mit einem Freund, der Pianist und Cellist war, wechselte ich mich am Klavier ab, um abwechselnd diese Sonaten und die Sonaten für Viola da gamba desselben Komponisten zu spielen. Als ich mich später entschied, mich den historischen Tasteninstrumenten zu widmen, hatte ich dann Gelegenheit, diese Werke oft und mit vielen Geigern zu spielen. Die Begegnung mit Liv weckte in mir dann den Wunsch, sie aufzunehmen.
Sie haben für jede Sonate andere Instrumente ausgewählt, je nach ihrem Charakter und ihrer Struktur, und in einige von ihnen auch die Viola da gamba integriert. Wie verlief die Zusammenarbeit mit der Geigerin Liv Heym und dem Gambisten Christophe Coin bei dieser gemeinsamen Klangforschung?
P. Z.: Diese Sonaten weisen eine große Vielfalt an Kompositionsstilen, musikalischen Texturen und Affekten auf, die meiner Meinung nach umso besser zur Geltung kommen, wenn man seine Interpretation durch die Wahl geeigneter Instrumente verstärkt. Der deutsche Cembalobau des 18. Jahrhunderts bietet viele großartige Instrumente, die sich aber von Region zu Region stark unterscheiden. Diese Ästhetik beruht offenbar auf unterschiedlichen Geschmäckern und Klangfarben, die mit ihren Eigenheiten eine sehr reichhaltige Klangpalette bieten, die Bach natürlich gut bekannt war. Liv und ich hatten das Glück, diese Sonaten vor der Aufnahme mehrfach im Konzert spielen zu können: So konnten wir die Texturen und Farben erkunden, immer im Dienste eines Gesamtergebnisses, in dem jede Stimme hervorsticht und mit den anderen in Dialog tritt.
Die Herausforderung für Liv und Christophe bestand dann darin, sich an jedes Tasteninstrument wieder anzupassen. Und die Balance änderte sich ja nicht nur von Instrument zu Instrument, sondern auch von Sonate zu Sonate. Die Viola da gamba spielt dabei eine sehr wichtige Rolle: Sie dient nicht nur als Unterstützung für die linke Hand des Tastenspielers, sondern stellt auch eine wichtige klangliche Verbindung zu den hohen Tönen der Violine her, verleiht dem Bass Körper und Tiefe und unterstützt die gehaltenen Töne und Orgelpunkte. Und schließlich gibt auch die Präsenz von Christophe Coin dieser Interpretation Relief und wertvolle Tiefe.
Sie bieten zwei Versionen der sechsten Sonate an, die sich durch ihren Kompositionsstil, ihre Form und ihre zahlreichen Überarbeitungen von den fünf anderen unterscheidet. Was sagt sie Ihrer Meinung nach über die Entwicklung von Bachs musikalischem Denken aus?
P. Z.: Während einige Sätze in den drei Versionen fast unverändert bleiben, behalten andere zwar ihre Struktur bei, werden aber in ihrer Komposition komplexer. Wieder andere verschwinden schließlich oder werden durch neue Stücke ersetzt. Bachs Werke sind immer komplex und lassen ein ungewöhnlich tiefes und artikuliertes Denken erkennen. Es geht also nicht darum, nach einer möglichen Verbesserung in der Komposition dieser letzten Sonate zu suchen, denn was sich im Wesentlichen ändert, ist ihre Form: Ihre Gliederung ändert sich von einer Fassung zur anderen, ebenso wie ihr Schwerpunkt, je nach Dauer der Sätze oder dem Platz, den diese in der Sonate haben. Man sieht hier, dass es sich um lebendiges Material handelt, das sich ständig weiterentwickelt, aber es ist schwierig, den Grund für diese Veränderungen zu finden. In allen drei Fassungen funktioniert die Sonate aber perfekt, und man könnte sie vielleicht als Momentaufnahmen betrachten.
Jede Sonate bildet ein eigenes Universum. Wie soll der Hörer sich auf diese Aufnahme einlassen? Gibt es einen Satz, der Sie besonders berührt und der Ihrer Meinung nach als Schlüssel zum Hören dienen könnte?
P. Z.: Mein Rat ist, sie einzeln anzuhören und sich auch die Zeit zu nehmen, sie mehrmals anzuhören, um in ihre speziellen Welten einzutauchen. Und obwohl jedes Stück natürlich großartig ist und ich sie alle liebe, gibt es dennoch drei Sätze, die mich besonders berühren: der erste Satz der fünften Sonate, der dritte Satz der zweiten Sonate und der erste Satz der ersten Sonate. Die sind einfach großartig!


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