Teil 1 von 2: Zwischen Utrecht und Amsterdam

20 Tage im Leben von Ana Viera Leite, Sopran 

→Der Alltag einer Sopranistin – zwischen der Freude am Konzert, Scherereien mit der Stimme, zwischen Flugreisen, E-Mails und einer Menge Matcha-Tee.

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20 Tage im Leben von Ana Viera Leite, Sopran 
© Jean-Baptiste Millot
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Vollständige Geschichte:
  1. Teil 1:

    20 Tage im Leben von Ana Viera Leite, Sopran 

Vom 14. Januar bis zum 3. Februar war die junge portugiesische Sopranistin Ana Vieira Leite viel unterwegs – hier gibt sie uns einen Einblick in ihr Tournee-Tagebuch. Ein ganz persönlicher Blick auf den Alltag einer Sängerin. Heute: Utrecht, Amsterdam und Paris.

14. Januar 2025

15:25

Flug: Lissabon – Amsterdam 

Zug: Amsterdam – Utrecht 

Es ist jedes Mal dasselbe: Sobald ich im Flugzeug sitze, egal ob wir schon in der Luft sind oder nicht, stellt sich totale Entspannung ein. Meistens schlafe ich noch vor dem Start ein und komme locker auf eine Stunde Schlaf. Danach nutze ich die Zeit, um mein Repertoire für das nächste Projekt durchzugehen. 

Nach einem intensiven Dezember voller Rameau-Musik in Les Fêtes d’Hébé an der Opéra-Comique in Paris habe ich mir Anfang Januar ein paar Tage freigenommen. Ich wollte Kraft sammeln für all die Herausforderungen, die 2025 mit sich bringt. 

Die ersten fünf Monate des Jahres werden anspruchsvoll: Konzerte mit komplett neuem Repertoire, eine Opernproduktion (Il Trionfo del Tempo von Händel am Teatro São Carlos in Lissabon), zwei Debüts mit für mich noch unbekannten Orchestern mit neuen Programmen (Helsinki Baroque Orchestra und Orquestra da Fundação Gulbenkian) sowie vier Tourneen (À Chloris, William Christie 80th Birthday Tour, Clori, Tirsi e Fileno von Händel und Paradise Lost). In anderen Worten: Viel Zeit zum Durchatmen bleibt da nicht.

Aber ehrlich gesagt bin ich einfach begeistert von den unglaublichen Möglichkeiten, die dieses Jahr mir bietet – und von den neuen Orten, die ich kennenlernen werde. 

Die ersten Tage im Januar waren entscheidend für meine Planung: Ich habe meinen Kalender durchgearbeitet, mir überlegt, wann ich welches Konzert vorbereiten kann und wie lange ich dafür jeweils brauchen werde, auch wenn ich dafür keinen freien Tag habe, und mir To-do-Listen geschrieben. Nichts macht mich zufriedener, als Dinge abzuhaken! 

Außerdem habe ich meine freien Zeiten organisiert, Kurse und Coachings eingeplant und letzte Reisebuchungen erledigt. Und ich habe mich ausgiebig ausgeruht. Jetzt kann es losgehen! 

Gerade arbeite ich an zwei Projekten mit rein französischem Repertoire. Und obwohl ich fließend Französisch spreche, bleibt es eine Herausforderung, in kurzer Zeit Seiten um Seiten Musik auswendig zu lernen. Trotzdem gehört Französisch zu meinen Lieblingssprachen beim Singen. 

Mein erstes Ziel: Amsterdam, von dort aus geht es weiter mit dem Zug nach Utrecht. Dort werde ich einige Tage verbringen, um mit Holland Baroque und meinem Ensemble La Néréide (das ich 2019 mitgegründet habe), ein Projekt vorzubereiten. Das Programm ist eine Hommage an die französische Musik – von höfischen Liedern über bekannte Chansons von Barbara bis hin zu Rameau, Offenbach und Poulenc. 

Parallel dazu bereite ich mich auf die Tournee zum 80. Geburtstag von William Christie vor – mit Highlights aus der französischen Barockoper. 

Beim Lernen hilft es mir, mich selbst beim Singen aufzunehmen und die Aufnahmen in Dauerschleife anzuhören. Außerdem schreibe ich die Texte immer wieder auf, bis sie mir ganz selbstverständlich über die Lippen gehen.

Angel

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