Mit Blick auf sein 40-jähriges Bestehen im Jahr 2027 eröffnet das Centre de musique baroque de Versailles eine Saison, die exemplarisch für das seit 1987 einzigartige Profil des Hauses steht: Forschung, Edition, Ausbildung, künstlerische Produktion und Kulturvermittlung greifen ineinander, um das französische Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts lebendig zu halten. Die Saison 2026/27 versteht sich dabei weniger als bloße Jubiläumsfeier denn als Blick in die Zukunft – und zugleich als Würdigung von vier Jahrzehnten der Wiederentdeckung.
Jean-Baptiste Lully bildet einen der zentralen roten Fäden der Saison – eine historische Reminiszenz an die ersten Grandes Journées des CMBV, die ihm bereits 1987, im Jahr seines 300. Todestages, gewidmet waren. Konzerte, Forschung und Einspielungen greifen dabei ineinander: Persée mit Hervé Niquet und Le Concert Spirituel, Roland mit I Gemelli sowie La Grotte de Versailles, das am 29. April in der Chapelle Royale zu erleben sein wird. Darüber hinaus soll ein Sammelband zu Aufführungs- und Inszenierungspraktiken in Lullys Opern zur Zeit Ludwigs XIV. mehrere Jahre Forschung zu Besetzungsstärken, Orchester, Deklamation und den konkreten Aufführungsbedingungen dieser Werke bündeln.
Eine weitere große Neuerung ist das Studio baroque, ein neues zweijähriges Ausbildungs- und Professionalisierungsprogramm für 18 junge Sängerinnen und Sänger, Instrumentalistinnen und Instrumentalisten sowie Korrepetitorinnen und Korrepetitoren. Nach den Vorsingen im September beginnen die ersten Arbeitsphasen im Januar 2027 und widmen sich der historisch informierten Aufführungspraxis, der Quellenarbeit, Deklamation, Gestik und dem barocken Theater. Auch die Maîtrise bleibt ein wichtiger Ort der Vermittlung: Paul Agnew wird in der Saison 2026/27 als Conductor in Residence mit den Pages und Chantres arbeiten, an der Seite von Fabien Armengaud.
Das Jubiläum richtet den Blick schließlich auch auf Forschung und Publikum. Während die 1992 vom CMBV begonnene monumentale Werkausgabe von Henry Du Mont zum Abschluss kommt, beginnt mit Michel-Richard de Lalande, der 1726 vor dreihundert Jahren starb, ein neues langfristiges Editionsprojekt. 2027 jährt sich zudem die Kulturvermittlung des Zentrums zum zehnten Mal. Konzerte, Jeudis musicaux, Publikationen, Tagungen, Ausbildungsangebote und pädagogische Projekte ergeben so eine Saison, die weniger Bilanz ziehen als den Ausgangspunkt für die kommenden vierzig Jahre markieren will.
Offizielle Website: www.cmbv.fr


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