Die International Young Artist Presentation (IYAP) findet während der neun Tage des Antwerpener Festivals Laus Polyphoniae Ende August statt. Ursprünglich als Wettbewerb konzipiert, hat sich die IYAP zu einer künstlerischen Begleitung für sechs Ensembles während der gesamten Dauer des Festivals entwickelt. Die Besonderheit von Laus Polyphoniae liegt in der Betonung der Vokalpolyphonie von der Renaissance bis zum frühen Barock, die in 25 Konzerten und begleitenden Veranstaltungen zum Ausdruck kommt. In diesem Jahr lautete das Thema „Europa um 1600“. Das Programm beleuchtete eine Epoche, in der in Europa nicht nur zahlreiche Meisterwerke entstanden, sondern die auch Schauplatz eines regen Austauschs zwischen Ländern und Perspektiven war. Bart Demuyt leitet sowohl das Festival als auch das belgische Forschungsinstitut Alamire Foundation in Leuven, das sich der Aufarbeitung des musikalischen Erbes der heutigen Benelux-Länder widmet. Daraus ergibt sich ein außergewöhnlich enger Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und musikalischer Praxis.
Die spanische Sopranistin Raquel Andueza sagte einmal, der Gewinn der International Young Artist Presentation (IYAP) im Jahr 2000 sei ein Schub für ihre Karriere gewesen. Dadurch sei es etwa möglich geworden, ihre erste CD aufzunehmen, die wiederum weitere Türen öffnete. Heute ist die IYAP kein Wettbewerb mehr, sondern ein künstlerisches Coaching. Raquel Andueza arbeitete später bei der IYAP selbst häufig als Mentorin mit jungen Ensembles der Alte-Musik-Szene. Bei der IYAP coachten in diesem Jahr erneut der Blockflötist und Dirigent Peter Van Heyghen und erstmals der Sänger, Lautenist und Harfenist Nicolas Achten. Drei Tage lang arbeiteten sie mit sechs jungen Ensembles der Historischen Aufführungspraxis, die aus 32 Bewerbungen ausgewählt wurden. Nicht instrumentale oder vokale Techniken wie in einer Masterclass standen im Mittelpunkt, sondern Bühnenpräsenz und Publikumsansprache.
Am vierten Tag folgte die Präsentation im Antwerpener AMUZ, einer Konzertstätte in der ehemaligen Augustinerkirche. Jedes Ensemble zeigte im vollbesetzten Saal ein halbstündiges Kurzprogramm, dem das Publikum aufmerksam folgte. In den drei Tagen, so Van Heyghen, entstehe ein intensiver Austausch. Oft seien es nur kleine Hinweise als Feedback, die den Auftritt wirkungsvoller machten. Viele Ensembles wollten ihre Präsentation durch spielerische und darstellerische Elemente erweitern und über die reine Konzertdarbietung hinaus eine Geschichte erzählen. Doch so gut sie musikalisch ausgebildet seien, fehle ihnen auf der darstellerischen Seite bisweilen das nötige Know-how.
Kima: Ein Faible fürs Theater
Nicht so bei dem Ensemble KIMA, einem 2023 in Basel gegründeten Vokalquartett, dessen Mitglieder alle Absolventen der Schola Cantorum Basel (SCB) sind. Bariton Arthur Baldensperger sagt, er habe sich schon vor der Musik für Schauspiel interessiert. An der SCB gebe es die „Opernfabrik“, in der man auch szenischen Unterricht erhalte. Sein Programm mit mittelalterlicher Musik erarbeitete KIMA zudem mit der Regisseurin Salome Imhof. Was das Ensemble auf der Bühne zeigt und hören lässt, ist eine Art groteskes Theater. In der dreistimmigen Ars-Nova-Motette La mesnie fauveline singen drei Mitglieder drei verschiedene Texte. Im Zentrum steht das allegorische Wesen Fauvel, ein Hengst, der es zum Herrscher bringt und Fortuna zur Frau begehrt, die ihn jedoch zurückweist. Wie in solchen Motetten üblich, verlaufen die Stimmen weitgehend unabhängig voneinander.

KIMA überträgt diese musikalische Situation in eine heutige Büroatmosphäre, in der alle durcheinanderreden. Die Aufführung erinnert zugleich an die mittelalterliche Form der „disputatio“. An der Bühnenkante erscheint Fauvel: Tenor Léon Roch trägt eine Pferdemaske. Die farbigen Anzüge in Lila, Blau, Orange und Gelb verbinden Situationskomik mit formalisiertem Theater à la Bob Wilson, auf den sich das Ensemble ausdrücklich bezieht. Dabei werden die Stücke streng musiziert und dienen keineswegs nur als Klangmaterial für die Bühnenshow. Der überzeugende, mit viel Beifall bedachte Auftritt ermutigte das Ensemble, diesen Weg mit einem Programm unter dem Titel Comédie madrigalesque weiterzuverfolgen, das frühe Barockmusik mit Formen der Commedia dell’arte verbinden soll.
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