Im elisabethanischen England

John Dowland (1563-1626), Prinz der Melancholie

→Im Jahr 2026 begeht die Musikwelt den 400. Todestag John Dowlands. Der virtuose Lautenist, unermüdliche Reisende und Meister einer Melancholie, die nahezu zu seinem Markenzeichen wurde, erscheint dabei als weit mehr denn nur als Dichter der Tränen. Zwischen höfischen Ambitionen, verlegerischen Erfolgen, politischem Misstrauen und Aufenthalten in Frankreich, Deutschland, Italien und Dänemark gehörte der englische Komponist zu den beweglichsten und eigenständigsten Musikern seiner Zeit. Seine ab 1597 veröffentlichten „Songs or Ayres“ trugen dazu bei, das Lautenlied in England zu etablieren, während „Lachrimae, or Seaven Teares“ 1604 die vielen Facetten eines durch „Flow my tears“ berühmt gewordenen Motivs entfaltete. Lange vom Hof Elisabeths I. ferngehalten, diente Dowland Christian IV. von Dänemark, bevor er 1612 Lautenist Jakobs I. von England wurde: Hinter dem Musiker, der sich selbst als „semper Dowland, semper dolens“ inszenierte, zeigt sich ein Künstler mit ausgeprägtem Gespür für seine Laufbahn und die Verbreitung seiner Werke.

John Dowland (1563-1626), Prinz der Melancholie
Traditionell mit John Dowland in Verbindung gebrachtes Porträt in Stichform. © Bearbeitung: Total Baroque Magazine

Die Musikwelt gedenkt in diesem Jahr des 400. Todestages von John Dowland (1563–1626), einer herausragenden Persönlichkeit der englischen Spätrenaissance und einem der ersten wahrhaft europäischen Komponisten seiner Epoche. Als Lautenvirtuose, unermüdlicher Reisender und Musiker, der von den größten Höfen Europas umworben wurde, war Dowland zugleich ein Künstler mit einem bemerkenswerten Bewusstsein für sein eigenes Image. Er trieb dies so weit, dass er die Melancholie zu einer Ästhetik, ja geradezu zu seiner persönlichen Handschrift machte. Sein Leben, das von vereitelten Ambitionen und ausgedehnten Reisen zwischen England, Deutschland, Italien und Dänemark gezeichnet war, hatte nichts mit dem zurückgezogenen Dasein gemein, das man den „Dichtern der Tränen“ oftmals nachsagt. Vielmehr war es geprägt von politischen Intrigen, höfischen Rivalitäten, ausgeklügelten Karrierestrategien und durchschlagenden verlegerischen Erfolgen. Mit seinen Liedersammlungen „Songs or Ayres“ und dem berühmten Instrumentalzyklus „Lachrimæ“ schuf er eine musikalische Sprache von seltener Ausdruckskraft, in der die Klage zu einer vollendeten Kunstform reift. Vier Jahrhunderte später sind seine Arien und Pavanen nach wie vor auf den Bühnen und in aktuellen Einspielungen präsent – ein lebendiger Beweis dafür, dass diese gekonnt inszenierte Melancholie bis heute nichts von ihrer faszinierenden Anziehungskraft verloren hat.

Eine Konversion zum Katholizismus, die sein Leben prägen sollte

John Dowland wurde 1563 in England geboren, möglicherweise sogar in London. Mit gerade einmal 17 Jahren trat er in das Gefolge von Sir Henry Cobham (1537–1592) ein, dem damaligen englischen Botschafter am französischen Hof.

Während der rund vier Jahre, die Dowland in Frankreich verbrachte, konnte er dort von hervorragenden Meistern der Laute lernen. Die französische Lautenkultur übte ohnehin schon seit Längerem einen spürbaren Einfluss auf die englische Musik aus, und verschiedene französische Liedformen prägten in dieser Zeit zunehmend das englische Liedgut. Doch noch in anderer Hinsicht erwies sich Dowlands Aufenthalt auf dem Kontinent als folgenreich: Er konvertierte zum Katholizismus. Diese Entscheidung sollte ihm im streng protestantischen England für viele Jahre den Weg zu einer höfischen Karriere versperren. Trotz all seiner Bemühungen verweigerte ihm der Hof von Königin Elisabeth I. eine Anstellung als Hoflautenist.

Nachdem er längst in das Inselreich zurückgekehrt war, verlieh das Christ Church College in Oxford Dowland im Sommer 1588 den akademischen Grad eines Bachelor of Music – zeitgleich mit einem weiteren aufstrebenden Komponisten, Thomas Morley (1557/58–1602). Zu diesem Zeitpunkt galt der erst 25-Jährige bereits als einer der berühmtesten Musiker seiner Zeit, und auch bei Hofe erklangen zunehmend seine Kompositionen. Offenbar stand Dowland in jener Phase im Dienst verschiedener englischer Adeliger, darunter Sir Henry Noel († 1597) sowie Sir George Carey (1548–1603) und dessen Ehefrau Elizabeth, geborene Spencer (1552–1618).

Elisabeth I. im sogenannten Ditchley-Porträt, gemalt um 1592 von Marcus Gheeraerts dem Jüngeren: ein Bild von Souveränität, politischem Theater und symbolischer Macht im elisabethanischen Zeitalter. © National Portrait Gallery, London

Einstweilen konnte er nur davon träumen, dauerhaft fest angestellt zu werden. Als er sich 1594 am Hofe von Königin Elisabeth I. (1533–1603; reg. ab 1558) um die Stelle des neuen Hoflautenisten bewarb, lehnte diese seine Bewerbung ab. Wegen seines katholischen Glaubens? Jedenfalls ließ die Königin die Stelle ein Jahr lang unbesetzt.

Angel

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