Sie waren Komponistinnen

Antonia Bembo, eine Venezianerin am Hofe Ludwigs XIV.

→Die nach Paris geflohene venezianische Komponistin und Sängerin Antonia Bembo (1643–1715) führt ein überaus abenteuerliches Leben: Sie flieht vor ihrem Ehemann, findet den Schutz des Sonnenkönigs und erschafft eine musikalische Sprache an der glanzvollen Schnittstelle zwischen italienischem und französischem Geschmack. Als Schüler von Cavalli steht seine einzige Oper, „Ercole amante“, ab dem 28. Mai auf dem Spielplan der Opéra de Paris.

Antonia Bembo, eine Venezianerin am Hofe Ludwigs XIV.
„Selbstporträt“ von Élisabeth-Sophie Chéron, französische Schule, 1672 © Musée du Louvre / bearbeitet von TBM

Das Schicksal von Antonia Bembo (1643–1715) ist außergewöhnlich. Auch wenn ihre Stimme von Venedig bis Paris erklang, schuf sie ihre schönsten Kompositionen am Hofe Ludwigs XIV., darunter die Oper „Ercole amante“, die derzeit an der Opéra de Paris unter der Leitung des argentinischen Dirigenten Leonardo García-Alarcón auf dem Spielplan steht. Als Schülerin von Cavalli, unglückliche Ehefrau, zur Exilierung gezwungene Mutter und vom Sonnenkönig pensionierte Musikerin durchlebte Antonia Bembo das Grand Siècle wie eine Romanfigur. Entdecken wir das romanhafte Schicksal dieser Italienerin in Paris! 

Piano: Antonia in Paris 

Anders als die Serienfigur Emily stammt Antonia nicht aus den Vereinigten Staaten. Sie kam um 1640 in Venedig als Antonia Padoani zur Welt. Trotz ihrer bescheidenen Herkunft ermöglichte ihr die Familie eine frühe musikalische Ausbildung, da diese ihr großes Potenzial früh erkannte: Die kleine Antonia besaß eine außergewöhnliche Stimme. Ihr Vater, ein Arzt, setzte offenbar alles daran, dieses Talent zu fördern. Er tat dies zu einer Zeit, in der die musikalische Erziehung eines Mädchens als soziales Kapital oder gar als eine Art immaterielle „Mitgift“ gelten konnte. So begann sie 1654, im Alter von nur 14 Jahren, ihren Unterricht bei dem berühmten lombardischen Komponisten Francesco Cavalli. Dieser war damals 52 Jahre alt und unterrichtete zudem die Komponistin Barbara Strozzi (1619–1677). Von diesem Zeitpunkt an wurde sie als „das singende Mädchen“ bekannt.

Diese Ausbildung versetzte Antonia Bembo in den Mittelpunkt eines der fruchtbarsten Musikmilieus des barocken Europas. Venedig war damals eine Hauptstadt der öffentlichen Oper, der stimmlichen Virtuosität und außergewöhnlicher Frauenkarrieren, aber auch eine Welt mit sozialen Zwängen, in der das Talent einer Frau nicht immer ausreichte, um ihr Unabhängigkeit zu garantieren… 

Masken und Bergamasker: Paris, Stadt der Zuflucht 

Nach dem Scheitern des Scheidungsverfahrens gegen ihren gewalttätigen und untreuen Ehemann Lorenzo Bembo floh Antonia Bembo 1677 nach Paris und ließ ihre drei Kinder zurück. Es heißt, sie habe die Karnevalszeit genutzt, um maskiert zu entkommen, wahrscheinlich mit Hilfe des Gitarristen Francesco Corbetta, eines weltläufigen Musikers, der an den europäischen Höfen verkehrte. Er, der einstige Gitarrenlehrer des jungen Ludwig XIV., war es schließlich, der Antonia Bembo in Versailles einführte. 

In Paris verzauberte ihre Stimme den König: Der Sonnenkönig nahm sie unter seinen Schutz und gewährte ihr eine Rente. Die damals 37-jährige Antonia Bembo ließ sich im Kloster der Filles de Saint-Chamond nieder, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb. Das Kloster wurde für sie Zufluchts- und Rückzugsort sowie ein paradoxer Freiraum zugleich; hier konnte sie fernab von Venedig komponieren, ohne jemals ganz mit ihrer italienischen Sprache und ihren Erinnerungen zu brechen. 

Das Werk der Komponistin trägt zudem deutliche autobiografische Züge. Es fällt jedenfalls schwer, keinen Zusammenhang zwischen ihrer Flucht und dem vielsagenden Titel des Stücks „Mi basta così“ (Ich habe genug) herzustellen, das hier vom Ensemble Armonia delle Sfere interpretiert wird: 

Angel

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