Les Délices & SalonEra

Digitale Kühnheit: Ein US-Barockensemble geht neue Wege

→Neben regulären Konzerten in Cleveland und Akron (Ohio) produziert das Barockensemble Les Délices eine preisgekrönte Web-Serie sowie einen Podcast zur Alten Musik. Dabei rückt es die Arbeit zahlreicher Musiker und Historiker in den Fokus. Das Besondere daran: SalonEra sprengt geografische Grenzen und löst sich elegant von traditionellen Programmschemata.

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Digitale Kühnheit: Ein US-Barockensemble geht neue Wege
„Für uns ist es ein Weg, ausgetretene Pfade zu verlassen – und genau deshalb bleibt es in meinen Augen ein absolut lohnenswertes Abenteuer.“ © Les Délices

In vielerlei Hinsicht gleicht das 2019 ins Leben gerufene Projekt SalonEra, einem Wagnis. Diese von der Kritik gefeierte Online-Videoserie des in Cleveland ansässigen Barockensembles Les Délices,ist weder besonders rentabel noch einfach zu produzieren. Und doch lässt sich ihre Existenz aus einer Vielzahl von Gründen mühelos rechtfertigen. Inzwischen in der sechsten Staffel angekommen, beweist die thematisch breit gefächerte Serie eine stetig wachsende Tiefe: Sie ist eine wahre Goldgrube musikalischen Wissens, deren Wert und Vielfalt für ein stetig wachsendes weltweites Publikum immer weiter zunimmt. Ein Rückblick auf diesen originellen Ansatz, der gemeinsam von der Oboistin Debra Nagy und der Geigerin Shelby Yamin geleitet wird.

Wenn ich an alles zurückdenke, was wir bisher produziert haben, bin ich selbst verblüfft“, gesteht Debra Nagy, Gründerin von Les Délices und Hauptmoderatorin von SalonEra. „Für uns ist es ein Weg, ausgetretene Pfade zu verlassen – und genau deshalb bleibt es in meinen Augen ein absolut lohnenswertes Abenteuer.“

Der Nutzen für das Publikum steht außer Frage. SalonEra hat seine ursprünglichen Ambitionen – ein (reines Überlebensmittel während der Pandemie zu sein) – längst hinter sich gelassen. Die Serie hat sich zu einer bemerkenswerten Ressource entwickelt und füllt eine Lücke, die in der Welt der Alten Musik zuvor niemand, nicht einmal Nagy selbst, erkannt hatte.

Die ersten Folgen, die 2020 ausgestrahlt wurden, ähnelten noch dem, was viele Organisationen damals anboten. Sie ersetzten gewissermaßen die Live-Konzerte, die Les Délices normalerweise gegeben hätte, allerdings in einer weitaus höheren Taktung.

Das Bedürfnis nach Verbindung und Kollaboration

Debra Nagy erinnert sich, dass sie darauf brannte, mit Kollegen zusammenzuarbeiten – selbst aus der Ferne. Als Oboistin war es ihr unmöglich, allein ein ganzes Werk zu spielen. Neue Programme erschienen anfangs etwa zweimal im Monat, insgesamt 17 Folgen in der ersten Staffel.

In den folgenden Jahren, mit der Rückkehr zum regulären Konzertbetrieb, nahm die Frequenz ab – die fünfte Staffel zählt nur noch acht Folgen –, doch die Tiefe und die allgemeine Produktionsqualität nahmen spürbar zu.

Angel

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