La Landini und La Schoonjans

Das Wiener Duell der Barock-Divas

→Am kaiserlichen Hof in Wien waren Maria Landini-Conti und Regina Schoonjans die beiden herausragenden Sopranistinnen des frühen 18. Jahrhunderts. Als brillante Musen und Rivalinnen inspirierten sie Meister wie Fux, Caldara und Conti zu wahren Höchstleistungen. Eine fesselnde Geschichte über vokalen Glanz, höfische Eifersucht und den unerbittlichen Kampf um die Krone der Primadonna.

Das Wiener Duell der Barock-Divas
Johan Joseph Zoffany – Die Familie Gore (1775)

Lange vor der Ära des Walzers war Wien im 18. Jahrhundert eines der bedeutendsten Zentren der Barockoper. Ausgestattet mit einem der glanzvollsten Ensembles Europas, wurde der kaiserliche Hof zum Schauplatz einer monumentalen Konfrontation zwischen zwei der talentiertesten Sängerinnen ihrer Zeit: Maria Landini-Conti und Regina Schoonjans. Als Musen von Komponisten wie Bononcini, Caldara, Fux und Conti prägten sie mit ihrem Ausnahmetalent das gesamte Wiener Opernschaffen. Durch ein seltsames Versäumnis der Geschichtsschreibung bleibt die Bedeutung und der musikalische Glanz der Kaiserstadt in der Barockzeit jedoch oft verkannt. Weit vor Mozart, Haydn oder Beethoven nahmen Wien und der Habsburgshof in Fragen der musikalischen Schöpfung – stets im Dienste der politischen Repräsentation – eine ebenso dominante Stellung ein wie Versailles. Mehr noch als König Ludwig XIV. griffen die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aktiv in das Schreiben und die Gestaltung der prunkvollen Aufführungen ein und verknüpften so künstlerische Brillanz mit ihrem eigenen Machtanspruch.

Maria Landini: Die Unvergleichliche

Jean-Marc Nattier (Zugeschrieben) – Porträt einer unbekannten Frau als Diana © Musée des Beaux-Arts de Reims

Maria Landini wurde vermutlich zwischen 1660 und 1670 geboren. Sie soll die natürliche Tochter von Orazio del Monte gewesen sein, einem Sprössling der illustren Florentiner Familie und Nachfahre des Mathematikers Guidobaldo del Monte, eines engen Freundes von Torquato Tasso. Aufgrund der Position ihrer Mutter als Hofdame traten Maria Landini und ihre Schwestern in den Hofstaat von Christina von Schweden im Palazzo Corsini in Rom ein. Die Monarchin nahm Maria unter ihre Fittiche und ermutigte sie wohl auch zum Gesang. Ihre Ausbildung am hochmusikalischen Hof Christinas und ihre zweifellose Mitwirkung an Serenaden und Konzerten der Komponisten aus dem Umkreis der Königin lassen auf ihr hohes technisches und vokales Niveau schließen. Nach dem Tod von Königin Christina im Jahr 1689 findet man Maria Landini in Hannover wieder, am glanzvollen Hof von Sophie, der Kurfürstin von Hannover. In den Gemächern der Kurfürstin lernte sie ihren ersten Ehemann kennen: den französischen Schauspieler Augustin-Pierre Patissier, genannt Châteauneuf, Vater der berühmten Mademoiselle Duclos von der Comédie-Française. Sie heiratete ihn und blieb bis 1696 in Hannover, wo sie mehrere Rollen in den Opern von Agostino Steffani sang. Einige Auszüge daraus wurden 2012 von Cecilia Bartoli auf ihrem Steffani-Album Mission (Decca) eingespielt.

Maria Landini verließ Hannover im Jahr 1696. Nach Stationen in Italien, darunter Venedig, wurde die „Landini“ ab 1711 an die Habsburgische Oper in Wien engagiert. Betrachtet man die Rollen, die sie kreierte, verfügte ihre Stimme über einen beachtlichen Umfang, der es ihr ermöglichte, sowohl dramatische Partien wie die Sposa in Camilla de Rossis Oratorium Sant’Alessio zu übernehmen als auch die geopferten Nymphen wie Euridice oder Dafne bei Fux zu verkörpern.

Angel

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