Innovation

App statt Autor: Mehr Übezeit dank KI 

→Eine neue KI schreibt Programmtexte für Musiker und/oder Konzertveranstalter. Wir haben ausprobiert, wie gut sie das macht … 

App statt Autor: Mehr Übezeit dank KI 
© Total Baroque Magazine & ChatGPT

KI, ist heutzutage in aller Munde — und wird für die abstrusesten Zwecke eingesetzt; aber vor allem natürlich, um Texte zu schreiben. Ein Nachteil dabei: Man weiß nie so genau, ob die KI nicht halluziniert, Dinge erfindet. Ein weiterer Nachteil: KIs wie etwa ChatGPT wissen nur, was schon im Internet steht, denn damit wurden sie gefüttert. So ist es, wenn man in einem Nischenfach wie der klassischen, gar der Alten Musik unterwegs ist, schwer bis unmöglich, sachlich korrekte und gleichzeitig sprachlich erträgliche Texte von so einer KI zu bekommen. Bisher zumindest. Eine junge portugiesische Firma wollte das nun ändern — und hat Classical Notes erfunden, eine KI, die Programmtexte für Musiker und Konzertveranstalter schreibt. Funktioniert das? 

Ehrlich gesagt, ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen, dass wir unsere Programmerläuterungen mit einer KI erstellen“, erklärt Ludwig Hartmann, einer der künstlerischen Leiter der Tage Alter Musik Regensburg — eines Festivals also, das für Konzerte abseits des Mainstream und sein elaboriertes Programmheft bekannt ist. „Wir bekommen eigentlich immer gutes Material von den Künstlern und Agenturen — und wenn wir keine guten Texte bekommen, dann arbeiten wir mit der Universität Regensburg, dem Musikwissenschaftlichen Institut, und die erstellen uns Texte, die eine gute Qualität haben. Und was ich bislang so an KI-Texten gelesen habe, erfüllen die diesen Qualitätsanspruch noch nicht.“ 

Doch ja: Nicht jedes Festival, jeder Konzertveranstalter kann auf solch luxuriöse Ressourcen zurückgreifen. Und nicht jeder Musiker schreibt gerne Texte. Und seien wir ehrlich: Nicht jeder ist auch irgendwie begabt in dieser Hinsicht … 

Was also tun? Henry Ferro, Programmierer bei der portugiesischen Firma Catalyst Music, die sich mit Karriereplanung und PR für Musiker befasst, hatte eine Idee: Eine KI, die Programmtexte schreibt! „Am Anfang stand die Idee, Musikern zu helfen, dieses Problem zu lösen, denn Musiker wollen üben, nicht den ganzen Tag schreiben. So dachten wir, das könnte einige Freunde und Kunden interessieren“, erzählt er, wie alles begann. 

In Classical Notes, wie die Anwendung, die seit Februar online ist, nun heißt, gibt man also schlicht ein paar Programmdaten in ein Formular ein — Komponistennamen, Stücktitel —, und einen Mausklick später kommt ein Text in der gewünschten Länge und Sprache, im präferierten Sprachstil heraus. Dafür habe man ein Sprachmodell — ähnlich wie ChatGPT — erstellt, und es dann entsprechend angepasst damit es die Art von Texten erzeugt, die Musiker aus der klassischen Szene sich wünschen, berichtet Ferro, und natürlich habe man auch an der Stilistik, am Ton der Texte gefeilt: „Ob es also eher akademisch, mitreißend oder erzählend werden soll, je nachdem, wozu ich den Text brauche.“

© Classical Notes
Angel

Leidenschaftlich an alter Musik interessiert und möchten Sie diesen nur für Abonnenten zugänglichen Artikel lesen?

Wenn Sie noch kein Abonnent sind, treten Sie der internationalen Total Baroque-Community bei. Abonnieren Sie hier ab 5,00€.

Abonnieren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, melden Sie sich an.

Ich melde mich an